Haute Route Pyrenäen - HRP

auch zu finden im Internet unter:

Haute Route Pyreneenne - HRP

Durchquerung der Pyrenäen vom Atlantik zum Mittelmeer

Vom 13.07. - 22.08.2022

Wie immer entscheiden wir uns sehr spontan eine längere Wanderung zu unternehmen. Wir sind mit dem Segelboot von Glückstadt entlang der französischen Küste in den Knick der Biskaya nach Hondarribia in Spanien gesegelt. Nach ein bisschen Recherche entdecken wir die Haute Randonnée Pyrénéenne oder HRP- eine Längsdurchquerung der Pyrenäen vom Atlantik bis ins Mittelmeer. 800 km und 50.000 Hm erwarten uns. Wir sind die Route vom 13.07. - 22.08.2022 gegangen. Wie immer bei solchen Unternehmungen haben wir unseren Spot Tracker dabei. Unten auf der Karte ist unsere Wanderung zu sehen.

Unsere Wanderung haben wir mit einem Spot Gen3 aufgezeichnet. Der Tracker ist während wir gehen auf dem Rucksack befestigt und sendet alle 5 min ein Signal über Satellit zu Spotwalla. Mit einer Zeit Verzögerung von maximal 30 min ist unsere aktuelle Position dann links im Bild zu sehen. Manchmal rührt sich allerdings gar nichts, dann ruhen wir uns aus und warten auf besseres Wanderwetter.

Start ist in Hendaya am Atlantik am 13.07.2022. Den Zielort Banyuls am Mittelmeer haben wir am 22.07.2022 erreicht. Wir hoffen das Mittelmeer Ende August zu erreichen.



13.07.2022 Start in Hendaya

Mit Verspätung geht es endlich los. Leider ist es die heißesten Tageszeit als wir von Hendaya aus den HRP starten. Noch dazu wird gerade eine ungewöhnliche Hitzewelle für das Baskenland gemeldet.  Die ersten Auswirkungen der Hitze erfahren wir beim steilen Anstieg zum Col de Bardin. Wir treffen am Weg einen Wanderer, der für seinen Hund einen Schattenplatz aufgespannt hat. Der Hund liegt regungslos mit einem Hitzschlag im Schatten und dem Wanderer ist dazu noch das Wasser ausgegangen. Doch auch das von uns angebotene Wasser kann der Hund nicht schlabbern. Der Wanderer will auf die kühlere Nacht warten. Uns ist das Warnung genug darauf zu achten viel zu Trinken und immer genug Wasser mitzuführen.

Um der Hitze zu entgehen starten wir in den nächen Tagen vor Sonnenaufgang. Das hat den Vorteil dass wir so die morgentliche Kühle von 25 Grad ausnutzen, schöne Sonnenaufgänge erleben, wir eine lange Mittagspause machen können und am Ende des Tages doch viele Kilometer geschafft haben. Unser Schnitt liegt so bei 25 km am Tag.

Anfangs kommt noch der ein oder andere Ort aber es wird schnell bergiger und somit auch einsamer. Wasserquellen sind immer unser Tagesziel da es bedeutet 3 kg weniger Zusatzgewicht tragen zu müssen. 

Der Wegverlauf des HRP wechselt ständig zwischen Frankreich und Spanien hin und her. Wir merken das vor allem an der Essensauswahl. In Frankreich leckere Croissants und in Spanien Tortilla zum Frühstück. Inzwischen werden die Pässe steiler, die Landschaft wilder und die Begegnungen tierischer. Wir nähern uns langsam dem Hauptkamm der Pyreneen.

Jetzt hat uns der Höhepunkt der Hitzwelle erreicht. 40 Grad und volle Sonne von Morgens bis Abends. Auch Nachts kühlt es kaum ab. Bisher haben wir unseren Zeltplatz immer so exponiert gewählt, dass wir den schwachen Wind zur Kühlung genutzt haben. Das war letzte Nacht keine gute Wahl, da mitten in der Nacht plötzlich starker Wind aufkam und unser Zelt ordentlich geschüttelt hat. Bei diesem Lärm ist an Schlaf nicht zu denken und das in der Nacht vor den ersten ernsteren Gipfeln. 

Die größte Herausforderung ist aber das Auffinden von trinkbarem Wasser. Die ersten 2 Quellen am Weg sind trocken. Kurz vor dem Aufstieg auf den ersten Berg über 2000 m Höhe  liegt eine Alm an der wir glücklicherweise noch unsere Flaschen auffüllen können. Jetzt kann es auf den Zazpigain und den Ohri gehen. 

Zum Glück haben wir erst danach gelesen das der ausgesetzte Grat des Ohri bei Starkwind gefährlich ist. So sind wir ganz unvoreingenommen die Überschreitung gegangen. Viel anstrengender als das ständige berauf-bergab ist die brütende Hitze jeden Nachmittag. Mir fallen beim Wandern Wörter wie: unbarmherzig, erbarmungslos, sengend, gnadenlos ein. 

Die Orientierung auf dem HRP ist durch die ungewohnte  baskischen Namen nicht leicht. Da der HRP kein genau definierter Weg ist wie der parallel verlaufende GR10 oder GR11 und er viele Varianten hat, müssen wir an jeder Weggabelung genau in der Karte nachsehen um nicht falsch abzubiegen. Oft sind es ausgetretene Wege, aber manchmal läuft man auch in die Irre, da man einem der vielen Schafpfade folgt. Da heißt es dann: ab durchs Gebüsch.

Am Refugio Belagua verlassen wir wieder die französische Seite und kommen nach Spanien. Auch landschaftlich geht es über eine Grenze: Von den bisher eher grasigen Hügeln führt der Weg des HRP plötzlich durch zerklüftetes Karstgestein und durch graue Kalkfelsen - ein erfrischender Wechsel. Durch die steigende Höhe verändert sich auch die Temperatur. Erstmals ist es morgens so kalt dass man die Daunenjacke gut verträgt. Da sich im Tal bis auf eine Höhe von 1500 m immer Nebel bildet versuchen wir unser Zelt über der Nebelgrenze aufzustellen. Doch manchmal müssen wir in den Nebel eintauchen, um uns im Tal mit Lebensmitteln einzudecken.

So schön es ist mal wieder einen Café con leche oder einen Cafe au lait zu trinken oder durch die malerischen Gassen alter Bergdörfer zu schlendern, zieht es uns doch immer recht schnell zurück in die Natur.

Wir wandern durch den Nationalpark der Pyrenäen und sind erstaunt auf einen intensiven Almbetrieb mit Schafen, Kühen, Mullis und Pferden zu treffen. Sauberes Trinkwasser zu bekommen ist oft nicht einfach, da auch in Quellgebieten viel Kot zu finden ist.

So langsam geht es ins Hochgebirge. Einer der ersten berühmten Gipfel ist der Pic du Medi de Ossau. An unserem Zeltplatz direkt unter dem Berg tummeln sich viele Murmeltiere, denen unsere Anwesenheit scheinbar nichts ausmacht.

Die nächste Etappe ist laut Führer eine der technisch schwierigsten. Nach dem Aufstieg zum Col d‘Arrious führt ein mit Drahtseil versicherter schmaler Steig ausgesetzt an einer Felswand entlang. Aber die eigentliche Schwierigkeit kommt erst später. Nach dem Refuge d‘Arremoulit geht es anstrengend weglos über Blockgelände zum Col du Palas. Von dort zeigen viele Steinmännchen einen Weg zum Port du Lavedan an. Dumm ist nur, dass die Steinmännchen überall stehen. Mehr durch Zufall finden wir die richtige Scharte. Nach einer Kletterstelle im 1. bis 2. Schwierigkeitsgrad, geht es auf der anderen Seite genau so steil bergab. 

Da zur Eiszeit der ganze Pyrenäenkamm von Gletschern bedeckt war, haben sich hier viele kleine Toteisseen gebildet. Für uns finden sich an diese Seen immer die besten Biwakplätze. Auf nahezu der ganzen Strecke ist es erlaubt das Zelt zwischen 19 Uhr und 9 Uhr für eine Nacht aufzustellen.

Die großen Gletscher schmelzen wie überall. So ist von dem  Ossouegletscher am Vignemale auch nicht mehr viel übrig. Das nächste Highlight auf dem HRP ist die Refuge Bajssellance. Sie ist mit 2651 m die höchstgelegene Hütte der französischen Pyrenäen. Danach geht es erstmal die 1500 hm wieder steil bergab ins Vallee d'Ossou.

Von hier ist es nicht mehr weit bis Gavernie. Dass wir hier auf einen Touristenhotspot treffen, war uns nicht bewusst. Die Bergkulisse rund um Garvenie ist allerdings auch sehr beeindruckend.

Von Gavernie aus schaffen wir es in einem Tag nach Heas und in einem weiteren Tag zu dem wunderschönen Gletschersee Lacs de Baroude. Obwohl es noch nicht spät ist, beschliessen wir hier zu zelten, die Seen und die Bergkulisse ist einfach zu schön um einfach weiterzugehen.

Die erste Hälfte des Trails ist geschafft. Jetzt müssen wir uns entscheiden, ob wir den Weg über die Gletscher oder die Variante aussen herum wählen.  Wir haben beschlossen nicht die Orginal Route über die Gipfel zu gehen, sondern der Variante 4 zu folgen. Das hat zwei Gründe. Erstens sagt der Wetterbericht jetzt jeden Tag ab 14.00 Uhr Gewitter voraus und zweitens haben wir festgestellt, dass unsere Schuhe, Trailruner,  auf dem Gletscher bzw den Schneefeldern die es hier oben hat nicht besonders gut halten. Landschaftlich tut das dem HRP keinen Abbruch, denn auch die Variante, die hier dem GR11 folgt ist wunderschön. Jeden Abend haben wir praktisch einen See für uns und eine traumhafte Kulisse um uns herum. 

Bisher sind wir immer wegen der hohen Temperaturen am Nachmittag früh aufgestanden. Wir versuchen bis Mittag einen grossen Teil der täglichen Strecke zu schaffen. Jetzt kommen zu der Hitze ab etwa 14.00 Uhr noch Gewitter hinzu. Die können im Hochgebirge mit nahen Blitzen, Starkregen und Hagel sehr heftig ausfallen. Am 17. Tag hat der Wetterbericht dann den ganzen Tag Gewitter angekündigt, ein guter Grund zu unserem ersten richtigen Ruhetag seit dem Start. Wir verbringen den Tag in dem beschaulichen spanischem Gebirgsdorf Bielsa mit Essen, Schlafen und Kaffee trinken. Schon am Morgen geht ein heftiges Gewitter über dem Dorf herunter und bestätigt uns in der Entscheidung für den Ruhetag.

Von Bielsa gehen wir auf der Variante 4. Zur Abwechslung geht der Aufstieg mal wieder durch einen wunderschönen wilden Wald. Ab 1700m finden wir uns dann auf den inzwischen gewohnten Almwiesen wieder. Da wir jetzt in einen spanischen Nationalpark kommen, wo auch das biwakieren verboten ist, geht es ausnahmsweise mal auf einen Campingplatz für die Nacht.

Die Variante des HRP verläuft gemeinsam mit dem GR 11. Auf diesem Fernwanderweg, der auf der spanischen Seite der Pyrenäen entlangführt, sind die Wege besser markiert und ausgebaut. Der GR11 führt auch öfter ins Tal als der HRP.

Die nächste Etappe führt über eine der modernsten Hütten auf dem HRP, die Refugio Cap de Llauset. Obwohl das Wetter schon recht gewittrig aussieht zieht es uns weiter an einen der vielen Seen des Estany del Ubaga. Oberhalb der Seen ist eine unbemannte Schutzhütte aber wir ziehen es vor zu zelten. Das Gute an dem jetzigen Wetter ist, dass jeden Tag am nächsten Morgen die Sonne scheint und wir unser Zelt bei der ersten Pause gut trocknen können. Am Nachmittag werden die drohenden Gewitter immer zu unserm Schrittbeschleuniger um einen guten Platz für das Zelt zu finden. Im Zelt auf den Isomatten liegend, fühlen wir uns geborgen, wenn es draußen regnet, gewittert und auch hagelt.

In diesem Abschnitt der Durchquerung kommen wir jeden Tag an bewirtschafteten Hütten vorbei. Wenn man zur richtigen Zeit dort ankommt, gibt es etwas zu Essen. Man sollte nur nicht den gleichen Standard wie in den heimischen Alpen erwarten - alles ist etwas einfacher und improvisierter.

Am Ende dieser Etappe geht es mal wieder in ein Bergdorf, um vor allem die Essensvorräte aufzufüllen. Salardu ist ein nettes altes Dorf mit einigen Pensionen und Restaurants. Eigentlich ist es ein Skiort, doch auch im Sommer ist einiges geöffnet. Wir genießen mal wieder den Luxus eines Betts und gutes Essen. 

In den meisten Gegenden der Pyrenäen werden die Weiden bis hinauf zu den Berggipfeln von Kühen, Pferden und Schafen beweidet. Der Pyrenäenberghund oder auch Patou genannt, beschützt vor allem Schafherden vor Bären und Wölfen. Die Hunde wachsen mit der Herde auf und fühlen sich als Teil der Herde. Sie haben die gleiche weiße Haarfarbe und auch die Größe von Schafen. Sie verteidigen die Herde mit all ihrer Kraft bis zum Tod. Wir haben schon einiges über diese Hunde gehört und uns Verhaltensregeln für eine Begegnung durchgelesen. Als uns dann einer dieser Patou stellt und dabei drei weitere Hunde zur Unterstützung auftauchen, schlich sich bei uns dann doch etwas Unsicherheit ein. Nach der Regel großflächig auszuweichen ist nicht möglich, überall um uns herum sind Schafe. Da hilft nur eines, stehen bleiben und abwarten. Wir werden beschnuppert nach einer Weile für nicht gefährlich betrachtet und dürfen schließlich weiterziehen. 

Wir schlafen die meiste Zeit auf dem Trail in unserem Zelt. Unser Doppelwandzelt ist regensicher und hält auch Hagel aus. Mit etwas Glück finden wir oft wunderschöne Plätze für die Nacht. Unser Zelt ist groß genug um auch im Vorzelt kochen zu können, wenn es mal regnet. Unterwegs gibt es einige bewirtschaftete Hütte und unbemannte Notunterkünfte, die für Schäfer errichtet wurden. Uns ist das Übernachten im Zelt aber lieber, solange das Wetter es erlaubt, schon alleine wegen der vielen Schlafgeräusche in der Hütte.

Das Fürstentum Andorra empfängt uns sehr freundlich. Auch das sich ankündigende Gewitter bleibt in Frankreich und Spanien. Die Haute Route in Andorra führt entlang der nördliche Grenze zwischen Andorra und Frankreich. 

Nach Andorra beginnt der letzte Abschnitt in dem Pyrenäen Haute Route Führer von Tom Martens. Das heißt aber nicht, dass es jetzt nur noch bergab geht. Der HRP hat es bis zum letzten Tag in sich. Jeden Tag mindestens 1400 Hm hinauf und auch hinab. Für uns geht es als nächstes auf den Pic Carlit der mit 2921m einer der höchsten Berge auf dem Trail ist. 

Beim Aufstieg zum Col d' Eyne bläst es uns heute fast um. Das sind heute keine guten Voraussetzungen für die Gratwanderung die vor uns liegt. Statt wie bisher wandern wir heute den ganzen Tag in warmer Kleidung. Der Wind bläst uns Rauch von den Feuern die zur Zeit in Frankreich wüten um die Nase. Das erklärt auch die Dunstschicht der letzten Tage. Oben am Grat sehen wir, was für ein Glück wir gestern hatten. Die Berge im nächsten Tal sind immer noch weiß von dem Hagel gestern. 

Heute zelten wir auf der Hochfläche von Pla de Campmagre. Erst in der Früh gibt der Nebel den Blick auf die wunderschöne Umgebung frei. Um uns herum grasen Pyrenäen Gämsen. 

Heute starten wir noch eine Stunde früher als sonst. Zum einen ist ab Vormittag ein recht stürmischer Wind vorhergesagt, zum anderen wollen wir durch die Kletterpassage wegen Steinschlags früh durch sein. Kurz nach Sonnenaufgang sind wir auf dem Gipfel des Pic du Cornigou und können zum ersten Mal unser Ziel, das Mittelmeer, sehen.

Langsam kommen wir wieder in bewohnte Gegend. Zwar sind die ersten Häuser noch tief im Wald versteckt, aber das die Landschaft kultiviert wird erkennt man an den Esskastanien, den Korkeichen und ab und zu einem Garten. Die Ernte des Korks ist schon vorbei aber so fällt einem der Baum erst recht auf. Unsere letzte Nacht zelten wir in der Nähe der Xalet de l'Albera und genießen unseren letzten Sonnenuntergang auf dem HRP.

Der letzte Tag auf dem Trail ist nochmal richtig anstrengend. Nochmal 1350 Hm hinauf und 1800Hm hinab. Jetzt hat uns auch die Hitze vom Anfang der Wanderung wieder eingeholt. Am frühen Nachmittag kommen wir in Banyuls an. Wie immer nach solch einer Wanderung sind wir einerseits froh es geschafft zu haben, andererseits traurig, dass die tolle Zeit schon wieder vorbei ist. 

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