Haute Route Pyreneenne - HRP

Durchquerung der Pyrenäen vom Atlantik zum Mittelmeer

Wie immer entscheiden wir uns sehr spontan eine längere Wanderung zu unternehmen. Wir sind mit dem Segelboot von Glückstadt entlang der französischen Küste in den Knick der Biskaya nach Hondarribia in Spanien gesegelt. Nach ein bisschen Recherche entdecken wir die Haute Randonnée Pyrénéenne oder HRP- eine Längsdurchquerung der Pyrenäen vom Atlantik bis ins Mittelmeer. 800 km und 40.000 Hm erwarten uns. Mal sehen, ob wir das durchstehen. Wie immer bei solchen Unternehmungen haben wir unseren Spot Tracker dabei. Unten auf der Karte ist unsere Wanderung zu sehen.

Unsere Wanderung wir mit einem Spot Gen3 aufgezeichnet. Der Tracker ist während wir gehen auf dem Rucksack befestigt und sendet alle 5 min ein Signal über Satellit zu Spotwalla. Mit einer Zeit Verzögerung von maximal 30 min ist unsere aktuelle Position dann links im Bild zu sehen. Manchmal rührt sich allerdings gar nichts, dann ruhen wir uns aus und warten auf besseres Wanderwetter.

Start ist ab dem 13.07.2022. Wir hoffen das Mittelmeer Ende August zu erreichen.



Mit Verspätung geht es endlich los. Leider ist es die heißesten Tageszeit als wir von Hendaya aus den HRP starten. Noch dazu wird gerade eine ungewöhnliche Hitzewelle für das Baskenland gemeldet.  Die ersten Auswirkungen der Hitze erfahren wir beim steilen Anstieg zum Col de Bardin. Wir treffen am Weg einen Wanderer, der für seinen Hund einen Schattenplatz aufgespannt hat. Der Hund liegt regungslos mit einem Hitzschlag im Schatten und dem Wanderer ist dazu noch das Wasser ausgegangen. Doch auch das von uns angebotene Wasser kann der Hund nicht schlabbern. Der Wanderer will auf die kühlere Nacht warten. Uns ist das Warnung genug darauf zu achten viel zu Trinken und immer genug Wasser mitzuführen.

Um der Hitze zu entgehen starten wir in den nächen Tagen vor Sonnenaufgang. Das hat den Vorteil dass wir so die morgentliche Kühle von 25 Grad ausnutzen, schöne Sonnenaufgänge erleben, wir eine lange Mittagspause machen können und am Ende des Tages doch viele Kilometer geschafft haben. Unser Schnitt liegt so bei 25 km am Tag.

Anfangs kommt noch der ein oder andere Ort aber es wird schnell bergiger und somit auch einsamer. Wasserquellen sind immer unser Tagesziel da es bedeutet 3 kg weniger Zusatzgewicht tragen zu müssen. 

Der Wegverlauf des HRP wechselt ständig zwischen Frankreich und Spanien hin und her. Wir merken das vor allem an der Essensauswahl. In Frankreich leckere Croissants und in Spanien Tortilla zum Frühstück. Inzwischen werden die Pässe steiler, die Landschaft wilder und die Begegnungen tierischer. Wir nähern uns langsam dem Hauptkamm der Pyreneen.

Jetzt hat uns der Höhepunkt der Hitzwelle erreicht. 40 Grad und volle Sonne von Morgens bis Abends. Auch Nachts kühlt es kaum ab. Bisher haben wir unseren Zeltplatz immer so exponiert gewählt, dass wir den schwachen Wind zur Kühlung genutzt haben. Das war letzte Nacht keine gute Wahl, da mitten in der Nacht plötzlich starker Wind aufkam und unser Zelt ordentlich geschüttelt hat. Bei diesem Lärm ist an Schlaf nicht zu denken und das in der Nacht vor den ersten ernsteren Gipfeln. 

Die größte Herausforderung ist aber das Auffinden von trinkbarem Wasser. Die ersten 2 Quellen am Weg sind trocken. Kurz vor dem Aufstieg auf den ersten Berg über 2000 m Höhe  liegt eine Alm an der wir glücklicherweise noch unsere Flaschen auffüllen können. Jetzt kann es auf den Zazpigain und den Ohri gehen. 

Zum Glück haben wir erst danach gelesen das der ausgesetzte Grat des Ohri bei Starkwind gefährlich ist. So sind wir ganz unvoreingenommen die Überschreitung gegangen. Viel anstrengender als das ständige berauf-bergab ist die brütende Hitze jeden Nachmittag. Mir fallen beim Wandern Wörter wie: unbarmherzig, erbarmungslos, sengend, gnadenlos ein. 

Die Orientierung auf dem HRP ist durch die ungewohnte  baskischen Namen nicht leicht. Da der HRP kein genau definierter Weg ist wie der parallel verlaufende GR10 oder GR11 und er viele Varianten hat, müssen wir an jeder Weggabelung genau in der Karte nachsehen um nicht falsch abzubiegen. Oft sind es ausgetretene Wege, aber manchmal läuft man auch in die Irre, da man einem der vielen Schafpfade folgt. Da heißt es dann: ab durchs Gebüsch.

Am Refugio Belagua verlassen wir wieder die französische Seite und kommen nach Spanien. Auch landschaftlich geht es über eine Grenze: Von den bisher eher grasigen Hügeln führt der Weg des HRP plötzlich durch zerklüftetes Karstgestein und durch graue Kalkfelsen - ein erfrischender Wechsel. Durch die steigende Höhe verändert sich auch die Temperatur. Erstmals ist es morgens so kalt dass man die Daunenjacke gut verträgt. Da sich im Tal bis auf eine Höhe von 1500 m immer Nebel bildet versuchen wir unser Zelt über der Nebelgrenze aufzustellen. Doch manchmal müssen wir in den Nebel eintauchen, um uns im Tal mit Lebensmitteln einzudecken.

So schön es ist mal wieder einen Café con leche oder einen Cafe au lait zu trinken oder durch die malerischen Gassen alter Bergdörfer zu schlendern, zieht es uns doch immer recht schnell zurück in die Natur.

Wir wandern durch den Nationalpark der Pyrenäen und sind erstaunt auf einen intensiven Almbetrieb mit Schafen, Kühen, Mullis und Pferden zu treffen. Sauberes Trinkwasser zu bekommen ist oft nicht einfach, da auch in Quellgebieten viel Kot zu finden ist.

So langsam geht es ins Hochgebirge. Einer der ersten berühmten Gipfel ist der Pic du Medi de Ossau. An unserem Zeltplatz direkt unter dem Berg tummeln sich viele Murmeltiere, denen unsere Anwesebheit scheinbar nichts ausmacht.

Die nächste Etappe ist laut Führer eine der technisch schwierigsten. Nach dem Aufstieg zum Col d‘Arrious führt ein mit Drahtseil versicherter schmaler Steig ausgesetzt an einer Felswand entlang. Aber die eigentliche Schwierigkeit kommt erst später. Nach dem Refuge d‘Arremoulit geht es anstrengend weglos über Blockgelände zum Col du Palas. Von dort zeigen viele Steinmännchen einen Weg zum Port du Lavedan an. Dumm ist nur, dass die Steinmännchen überall stehen. Mehr durch Zufall finden wir die richtige Scharte. Nach einer Kletterstelle im 1. bis 2. Schwierigkeitsgrad, geht es auf der anderen Seite genau so steil bergab. 

Da zur Eiszeit der ganze Pyrenäenkamm von Gletschern bedeckt war haben sich hier viele kleine Toteisseen gebildet. Die großen Gletscher schmelzen wie überall. So ist von dem  Ossouegletscher am Vignemale nicht mehr viel übrig. 

Das nächste Highlight auf dem HRP ist die Refuge Bajssellance. Sie ist mit 2651 m die höchstgelegene Hütte der französischen Pyrenäen. Danach geht es erstmal die 1500 hm wieder steil bergab ins Vallee d'Ossou.

Von hier ist es nicht mehr weit bis Gavernie. Dass wir hier auf einen Touristenhotspot treffen, war uns nicht bewusst, aber die Bergkulisse ist einen Besuch sicher wert.

Von Gavernie aus kommt man in einem Tag nach Heas und in einem weiteren Tag zu dem wunderschönen Gletschersee Lacs de Baroude. Obwohl es noch nicht spät ist beschliessen wir hier zu zelten, die Seen und die Bergkulisse ist einfach zu schön um einfach weiterzugehen.

Die erste Hälfte des Trails ist geschafft. Wir haben beschlossen nicht die Orginal Route über die Gipfel zu gehen, sondern der Variante 4 zu folgen. Das hat zwei Gründe. Erstens sagt der Wetterbericht jetzt jeden Tag ab 14.00 Uhr Gewitter voraus und zweitens haben wir festgestellt, dass die Trailruner auf dem Gletscher bzw den Schneefeldern die es hier oben hat nicht besonders gut halten. Landschaftlich tut das dem HRP keinen Abbruch, denn auch die Variante, die hier dem GR11 folgt ist wunderschön. Jeden Abend haben wir praktisch einen See für uns. 

Bisher sind wir immer früh aufgestanden wegen der Hitze, jetzt stehen wir früh auf, da jeden Tag ab 14.00 Uhr Gewitter vorhergesagt sind und die sind im Hochgebirge nicht ohne, da wollen wir schon irgendwo im Sicheren sein. Dadurch kommen wir nach 17 Tagen zu unserem ersten richtigen Ruhetag. Den verbringen wir in dem netten Örtchen Bielsa, bei Gewitter und Starkregen, aber das ist für einen Ruhetag genau das Richtige.

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Kommentare: 2
  • #1

    Isabella Zimmermann (Sonntag, 14 August 2022 17:19)

    Eure Berichte und Fotos sind wie immer ein Erlebnis auch wenn wir nicht dabei sind �passt gut auf euch auf. Wir hoffen euch bald wieder einmal persönlich zu sehen wenn ihr in der Nähe seid lg Isabella und Alois

  • #2

    Doreen W. (Montag, 15 August 2022 08:25)

    Die Pyrenäen längs in Bildern zu sehen, ist schon sehr interessant. Wahnsinn, was ihr da ablauft. Wünsche euch gutes Durchhaltevermögen.

Segeln und Klettern mit der Segelyacht Noe