Segeln und Klettern in Norwegen 2020

Nachdem unsere Fahrt nach Spanien im Frühjahr durch die Covid-19 Pandemie ausgebremst wurde, haben wir umgeplant und werden zum zweiten Mal nach Norwegen segeln. Norwegen hat seit dem 15. Juli seine Grenzen für Touristen wieder geöffnet. Der Plan ist in 2020 bis Molde zu kommen, um dann im kommenden Winter wieder Skitouren in Norwegen vom Boot aus zu unternehmen. Unser Segelboot Noe wurde die letzten Wochen in der Werft in Emden komplett durchgetestet und einige Teile wurden erneuert. Unsere Kletterausrüstung, die Tourenskier und die Mountainbikes sind an Bord. Auf zum neuen Abenteuer!

Update 10.10.2020: In Molde waren wir bereits Mitte September. Wir planen jetzt bis Bodø weiter zu segeln.

Unsere Segelroute nach Norwegen zeichnen wir mit einem Spot Gen 3 auf und übertragen es auf die Karte links. Die Daten werden etwa 30 Minuten zeitversetzt angezeigt. Startpunkt ist Emden und unser Ziel soll in Molde sein. Den Sender wird im Cockpit am Boot befestigt. So bald wir mit Noe losfahren wird er eingeschalten und sendet.

Wenn man auf der Karte links einzoomt sind Details der Routenführung erkennbar.



Segelboot Noe im Hafen von Bergen Norwegen
Noe am Kai von Bergen

28.07.2020 In den ersten Tagen von Emden bis Sylt

 

Wir sind bereits seit ein paar Tagen unterwegs und stecken gerade bei starkem Wind in Hörnum auf Sylt fest. Unser Start am 22.07.  in Emden war mit einigen Hindernissen versehen: die letzten Reparaturen waren nicht wie versprochen fertig, und unser EPIRB Notsender ist vom Service bisher nicht eingetroffen. Nach Beseitigung der letzten Mängel fahren wir trotzdem ohne EPIRB los. Bedingt durch eine starke Böe berühre ich beim Ausfahren aus der Werft ein Nachbarboot. Nachdem ich den Schaden bei der Werft gemeldet habe, wird bei einer Begutachtung durch die Werf der Schaden als nicht gross erachtet. Wir können losfahren. Durch die Nesserland Seeschleuse gelangen wir rasch in die Ems und segeln mit ablaufendem Strom gemütlich zur Insel Borkum, wo wir am frühen Nachmittag nach 25sm am Gästesteg die Noe festmachen. Der erste Tag ist geschafft. Die Handgriffe auf dem Boot sitzen zwar noch nicht so richtig, aber wir haben ja noch einige Wochen vor uns, in denen wir schon wieder Übung im Umgang mit der Noe bekommen werden.

Am nächsten Morgen geht es dann weiter durch das Watt über einen mit Pricken makiertem Kanal Richtung Juist und weiter nach Norderney. Diese Route kann man nur zwei Stunden vor und nach Hochwasser befahren, da sonst der Wasserstand zu niedrig ist, oder das Watt trocken fällt. Die Marina in Norderney ist voll, so dass wir die Noe an einem Boot am Hafenkai festmachen. Morgen wollen wir nach Helgoland.

Beim Start müssen wir wieder die Tide beachten und fahren so um 7:00 mit ablaufendem Strom auf die Nordsee hinaus. Der Wind frischt hier etwas auf und wir segeln mit 5-6 Knoten nordseitig entlang von Norderney und Langeoog. Nördlich von uns befindet sich das Verkehrstrennungsgebiet für Bremerhafen und Hamburg, das wir nicht befahren dürfen. Nach 20sm haben wir das Ende des Verkehrstrennungsgebits erreicht und ändern den Kurs nach NNO Richtung Helgoland. Auf den nächsten Meilen müssen wir sehr aufpassen um nicht einem dieser grossen Frachtcontainer, die Richtung Hamburg fahren zu Nahe zu kommen. Leider schläft der Wind fast ein, sodass wir die letzten Seemeilen nach Helgoland mit dem Motor fahren. Wir legen uns im Päckchen mit anderen Booten an den Ostkaje und gehen gleich mal los um die Insel zu erkunden.

Nachdem wir die Touristenmassen im Hafengelände hinter uns gelassen haben wandern wir hoch zum oberen Teil des Ortes um zu den Felsenklippen im Oberland zu gelangen. Ein Rundweg führt hier entlang der Klippen, wo wir viele Basstölpel beim Brüten, Fliegen und Füttern beobachten können. Auf dem Rundweg kommen wir bis auf einen Meter an die Vögel heran. Nur ein Zaun trennt uns von ihnen. Die Vögel sind die Nähe offensichtlich gewohnt.

Als wir zur Noe zurückkommen treffen wir unseren Freund Rainer, der mit seinem Segelboot Ahoi und einigen Gästen an unserem Boot festgemacht hat. Es gibt einiges zu erzählen, haben wir doch Rainer das letzte Mal vor drei Jahren in Shetland getroffen. Wir beschliessen am nächsten Morgen den 25.07. zusammen nach Hörnum auf Sylt zu segeln. Rainer ist dann am 26.07. von dort weiter oder eigentlich etwas zurück nach Amrum, und wir warten jetzt auf einen günstigen Wind um weiter nach Norden zu kommen. Der aktuelle Wetterbericht zeigt uns am Donnerstag den 30.07. ein Fenster für die nächste Etappe.


31.07.2020 Norwegen wir kommen - entlang der dänischen Westküste und von Thyborön nach Norwegen

 

Die Wettervorhersage hat gut gepasst: nach einigen Tagen Starkwind beruhigt sich am 30.07.das Wetter und wir laufen in Hörnum aus um weiter nach Norden Richtung Norwegen zu kommen. Zunächst müssen wir aber noch auf die richtige Tide warten, um nicht im Gezeitenstrom gegenan fahren zu müssen. Um 09:30 kommen wir los. Wir fahren zuerst nach Süden entlang der Betonnung um die Südspitze Sylts herum bis zum Holtknolbsloch. Dort gelangen wir zurück zur Nordsee, wo wir auf Kurs Nord gehen. Die Wellen sind anfangs noch etwas hoch vom Sturm der letzten Tage, doch der Wind aus West mit 20kn trägt uns schnell an der Westküste Sylts entlang Richtung Dänemark. Wir haben geplant heute bis Esbjerg zu kommen.

Etwa um 18:00 sind wir auf der Höhe von Esbjerg. Da der Wind immer noch angenehm mit etwa 15kn aus West bläst, und das Wetter schön bleibt, entschliessen wir uns weiter zu segeln und Esbjerg rechts liegen zu lassen. Auf dem Weg entlang der dänischen Küste kommen im Abstand von ja 30sm die Orte Hvide Sande und Thorsminde, wo wir immer noch Stopps einlegen können. Vor der Landspitze Ringköping müssen wir erst mal den Motor dazu schalten, da es jetzt Richtung Nordwesten geht. Wir weichen hier so einigen Untiefen aus. Schliesslich segeln wir die ganze Nacht durch, passieren die genannten Orte und sind um 8:00 in der Früh an der Einfahrt nach Thyborön. Wir fahren hier in den Hafen ein, um eine Pause einzulegen. Als wir in dem grossen Hafen in den Bereich der Sportboote kommen verlässt gerade das letzte Segelboot den Hafen. Wir sind das einzige Sportboot und suchen uns den schönsten und bequemsten Platz an der Nordmole heraus. Nach einem ausgiebigen Frühstück gehen wir erst mal in die Koje, um etwas Schlaf nachzuholen. Auf unserer Nachtfahrt war ausser Ausguck zu halten wenig zu tun, trotzdem sind wir wegen der vielen Geräusche und der städigen Schiffsbewegung kaum zum Schlafen gekommen.

Als wir Mittags wieder aus dem Boot schauen, ist der Hafen gut gefüllt. Es ist ja auch Freitag Abend und die Locals nützen das schöne Wetter zu einem Ausflug mit dem Boot. In Thyborön ist ein Flohmarkt und ein Street Food Festival für das Wochenende geplant. Wegen Corona und der zu erwartenden Menschenansammlung weichen wir solchen Veranstaltungen eher aus. Die Wettervorhersage ist für Morgen gut für eine Überfahrt nach Norwegen: Wind aus Südost, 10-20kn, in der Früh schwach, am Nachmittag zunehmend. Kurz vor Sonnenuntergang legt ein dänischer Segler bei uns an. Er bleibt auch noch liegen, als wir ihm sagen, dass wir morgen um 5:00 starten wollen.

Der frühe Start hat sich gelohnt. Bei Sonnenaufgang haben wir schon 10 sm der 90sm bis Norwegen zurückgelegt. Das Wetter verhält sich wie in der Vorhersage. Wir rauschen die letzten 20 sm mit teilweise über 9 kn unserem Ziel entgegen. Am Ziel in Båly erwarten uns Marlene und Bert mit ihrem Segelboot Heimkehr. Beide sind schon fast zwei Wochen in Norwegen und wir haben das Treffen mit ihnen vorher vereinbart. Der Empfang könnte schöner nicht sein: Bert kommt uns mit dem Dingi entgegen und bringt zu unserem Anlegeplatz an der Heimkehr. Marlene hat inzwischen den Begrüssungstrunk vorbereitet. Als das Boot vertaut und sicher liegt, stossen wir auf das Wiedersehen und die gemeinsamen Tage hier an. So kann Norwegen beginnen...


01.08.2020 Die ersten Tage in Norwegen - Trans Ocean Treffen in Båly mit der Heimkehr

 

Wir verbringen einige Tage in Båly mit Marlene und Bert. Später kommen auch noch Joachim und Ingo mit ihrem Segelboot dazu, so dass wir bald mit drei Segelbooten hier liegen. Da Lindesnes nur etwa 10km Richtung Süden liegt fahren wir mit unseren Rädern dorthin. Das Kap Lindesnes ist der südlichste Punkt Norwegens. Ein historischer Leuchtturm weist seit vielen Jahren der Schifffahrt den Weg ums Kap. Auf dem Rückweg fällt uns eine schöne Felswand nördlich von Båly auf, die wir erkunden. Und tatsächlich: wir finden zwei gebohrte Touren in der steilen Platte. Schnell zurück zum Boot, die Kletterausrüstung gepackt, und zurück zur Wand. Beide Touren entpuppen sich als nicht allzu schwer, wenig geputzt und vielleicht im 5. Schwierigkeitsgrad. Immerhin, die ersten Klettermeter in Norwegen sind vollbracht.

 

Viel zu schnell vergehen die schönen und sehr unterhaltsamen Tage mit den beiden Crews. Marlene und Bert wollen Richtung Oslo. Joachim und Ingo Richtung Norden. Wir fahren am 7.8.20 um das Kap Lindesnes herum auch Richtung Norden.

 


06.08.2020 Von Båly nach Kirkehamn - Kap Lindesnes und Lista

 

Unser nächster Stopp ist knapp hinter Lista in Kerkehamn. Im geschützte Naturhafen legen wir am Gemeidesteg an. Hier ist das Liegen frei. Die anderen Liegemöglichkeiten in der Bucht erscheinen uns für Noe zu klein. Da wir schon kurz nach Mittag da sind, wandern wir noch auf den Hågåsen, der direkt über dem Ort liegt. Auf dem Berg befand sich im 2. Weltkrieg eine von vielen deutschen Stellungen entlang der norwegischen Westküste. Heute ist die verfallene Anlage ein Museum. Der Ausblick vom Berg ist atemberaubend schön! Unten liegt Kirkehamn mit seiner zentralen Kirche und Richtung Westen zieht sich die felsige Küste Richtung Farsund.

 


07.08.2020 Von Kirkehamn nach Skudeneshavn

 

Die nächsten beiden Tage segeln wir mit gutem Südostwind mit unserem Parasailor Segel nach Tananger und dann am nächsten Tag weiter nach Skudeneshavn auf der Insel Karmøy, wo wir Joachim und Ingo wieder treffen. Skudeneshavn hat viele alte Häuser und ist ein historischer Fischereihafen. Im sehr interessanten und liebevoll gepflegten Museum informieren wir uns über das Leben im Ort der vergangenen 150 Jahre. In den nächsten Tagen herrscht Sommerwetter mit bis zu 30 Grad – sehr ungewöhnlich für Norwegen.

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