Mit dem Fahrrad von Ruhpolding nach Emden

- und wieder zurück

Unsere Reisepläne in 2020 wurden durch die Covid-19 Krise ganz schön durcheinander gebracht. Nachdem wir Mitte März schon eine Woche in Emden verbracht haben, um unsere Noè startklar zu machen, sind wir dann wegen der zu erwartenden Sperren wieder nach Hause gefahren.
Jetzt, Mitte Mai, wagen wir einen zweiten Anlauf. Da die meisten europäischen Länder weiterhin für Urlaubsreisen gesperrt sind, bleiben wir erstmals in Deutschland und radeln von Ruhpolding zu unserem Boot nach Emden. Innerhalb Deutschlands treten erste Lockerungen der Ausgangsbeschränkung in Kraft. Restaurants und Campingplätze öffnen wieder. Leider ist die Lage der Restriktionen etwas unübersichtlich, da jedes Bundesland je nach Betroffenheit und Anzahl von Infektionen eine andere Regelung hat. Wir denken, dass wir um den 10.06.2020 in Emden ankommen werden.

In den letzten Tagen haben wir unsere alten Mountainbikes auf Vordermann gebracht. Ausgerüstet mit neuen Reifen, Licht und Bremsen sollte einer sicheren Reise nichts mehr im Weg stehen. In vier Gepäcktaschen haben wir genug Platz um die gesamte Ausrüstung zu verstauen. Wir haben fast die gleiche Ausrüstung dabei wie auf dem Te Araroa. Ich muss noch feststellen, dass wir Biobiker sind und keinerlei Motor am Rad verwenden, was interessanterweise unterwegs zu einigem Erstaunen geführt hat (immerhin ca. 50% der unterwegs getroffenen Radfahrer fahren schon Motorrad mit Elektro).


Unsere Radtour quer durch Deutschland zeichnen wir mit einem Spot Gen 3 auf und übertragen es auf die Karte links. Die Daten werden etwa 30 Minuten zeitversetzt angezeigt. Startpunkt ist Ruhpolding und unser Ziel soll in Emden sein. Den Sender habe ich einfach auf einer Gepäcktasche befestigt. So bald wir losfahren wird er eingeschalten.

Wenn man auf der Karte links einzoomt sind Details der Routenführung erkennbar.



1. Tag:
Wir lassen es am ersten Tag gemütlich angehen und starten um 9:00 Uhr mit unserer ersten Etappe Richtung Emden. Das erste Teilstück soll uns 50 km entlang des Traun-Alz Radweges nach Norden führen. Da wir keine begeisterten Bergradler sind, erhoffen wir uns entlang der Traun ein flaches und gemütliches Einradeln. Und um wirklich keinen Stress aufkommen zu lassen machen wir in Siegsdorf nach 10 km bei der Bäckerei Schuhbeck unsere erste Pause. Eine Butterbreze mit Cappuccino können wir hier schon gut vertragen. Weiter geht es an Traunstein und Traunreuth vorbei immer entlang der Traun. Das Wetter ist hervorragend. Nach 50 km zweigen wir in Oberschroffen ab auf den Alz-Inn Radweg. Wenige Meter nach der Abzweigung liegt linker Hand versteckt im Wald eine geologische Sehenswürdigkeit: Windorgeln, die bei starkem Sturm pfeifen sollen. Da es heute windstill ist, können wir das nur glauben, denn zu hören ist nichts außer dem zwitschern der Vögel im umliegenden Wald. Bald danach erreichen wir Altötting, das wir auf dem Isental Radweg Richtung Norden verlassen. Nach etwa 12 km biegen wir links ab Richtung Niedertaufkirchen, um dann nach etwa 9 km über die Schweppermanntour Richtung Sankt Veit zu fahren. Da es inzwischen schon nach 19 Uhr ist suchen wir uns vor Sankt Veit neben einem kleinen Wald einen ruhigen Platz für die Nacht. Nach etwa 90 km erklären wir den Tag für beendet.


2. Tag:
Mit lautem Vogelgezwitscher werden wir bei Sonnenaufgang geweckt. Nach einigen Tassen Tee und Müsli schieben wir das bepackte Rad zurück auf die Straße und radeln angenehm bergab nach Sankt Veit. Bei etwas bewölktem Wetter geht es ab jetzt weiter auf dem Vils-Rott Radweg Richtung Vilsbiburg und anschließend nach Lanshut. Da es gerade Mittag ist, gönnen wir uns in Landshut in der Fußgängerzone eine längere Pause. Dazu stellen wir fest, dass unsere Beine schon ganz schön schwer sind. Für den Anfang war die erste Etappe gestern wohl doch etwas zu lang. Mit Cappuccino und einer Brotzeit gestärkt radeln wir auf dem Isar Laber Radweg in Richtung Rottenburg an der Laber. Leider ist das Terrain nun etwas hügelig, was unsere Beine nur noch schwerer macht. In Rottenburg füllen wir erst mal unsere Essensvorräte auf. Allzu weit kommen wir heute sicherlich nicht mehr - jeden Tag Radfahren strengt ganz schön an. Hinter Rottenburg zweigen wir auf den Laber-Abends Radweg ab, und fahren diesen doch noch bis kurz vor Abendsberg. In einem Wald finden wir eine schön gelegene Bank für eine längere Pause. Da wir aber nach heute wiederum 90 km schon richtig platt sind, beschließen wir uns neben dem Wald gleich noch ein Nachtlager zu suchen.


Altmühl Radweg

3.Tag:
Die Nacht verläuft für mich nicht so toll. Mit Durchfall und Übelkeit muss ich das Zelt in der Nacht ein paar Mal verlassen. Ob das von der Anstrengung kommt, oder von den chinesischen Instantnudeln mit Entengeschmack vom Vortag weiß ich nicht. Ich schiebe das ganze mal auf die Nudeln, und beschließe mich wieder anständig, gesund und lokal zu ernähren. Schon morgens fühlen wir uns beide durch die zwei langen Radtage etwas gerädert und haben irgendwie keine Lust darauf ständig bergauf - bergab  zu radeln. Als wir dann in unserem Planungstool den Radweg entlang der Altmühl entdecken, wird unser Plan von „Quer durch Deutschland nach Emden“ auf „gemütlich entlang von Flüssen nach Emden“ kurzfristig geändert. Jetzt radeln wir erstmal meist bergab nach Kehlheim an die Donau. In Kehlheim mündet die Altmühl in die Donau. Da wir nach dem frühen Start schon hungrig sind landen wir in Kehlheim am frühen Vormittag in einem Biergarten bei lokalen Bratwürsten mit Kraut. So lässt sich der neue Plan erst mal gut starten. Sauerkraut soll ja auch gut für Magen und Darm sein!
Der Radweg entlang der Altmühl ist gut ausgeschildert. Wir folgen also dem Main-Donau Kanal zuerst bis Riedenburg und kommen dabei an den Kletterfelsen von Prunn vorbei. Früher waren wir hier öfter klettern und haben fürs Gebirge trainiert. Für uns geht es weiter entlang der Altmühl bis wir dann in Kinding unter der A9 hindurchfahren. Da das Tal hier ziemlich eng ist, gibt es kaum Optionen irgendwo zu zelten. Als es dann schon langsam Abend wird, radeln wir kurz vor Gungolding an einer Anlegestelle für Kanus durch einen Stellplatz für Wohnmobile. Am Fluss steht ein Zelt in der Wiese neben einer Feuerstelle. Kurz entschlossen stellen wir unser Zelt dazu, denn bald wird es dunkel und genug geradelt sind wir heute auch. Wieder liegen 90 km hinter uns.


4. Tag:
Gut erholt starten wir am frühen Morgen Richtung Eichstätt. Es ist kalt, sodass sich etwas Nebel über der Altmühl bildet. Auf den etwa 20 km bis Eichstätt wird es uns aber dann aber doch warm. Am Dom hat gerade das italienische Kaffee geöffnet, in dem wir uns ein Stück frische Erdbeertorte mit Cappuccino in der Sonne gönnen. Als nächstes suchen wir ein Sportgeschäft, in dem ich mir ein langärmliges Merinoshirt kaufen will.Mein mitgenommenes Shirt ist am Vortag verschwunden. Christine nötigt die freundliche Verkäuferin mir auch noch eine Radlhose zu verkaufen, da meine lange Hose mir viel zu warm ist. Voll bepackt mit all den neuen Sachen fahren wir weiter über Dollnstein nach Papenheim, um dem verwegenen General Graf zu Pappenheim unsere, zumindest fiktive, Aufwartung zu machen. Seine Berühmtheit erlangte der Graf im 30-jährigen Krieg und in der Erwähnung in Schillers Wallensteins Tod. Kurz vor Treuchtlingen weitet sich das Tal der Altmühl. Der Weg bleibt weiter angenehm flach zum Radeln. Etwas abseits der Route kehren wir am frühen Nachmittag in Wettelstein ein, um eine weitere Portion lokaler Bratwürste mit Sauerkraut zu genießen. Nach etwa 70 km lassen wir den Tag hier ausklingen.


5. Tag:
Ruhetag! Nachdem der Wetterbericht schlechtes Wetter mit Gewitter, Sturmböen und Starkregen ab Mittag verkündet, beschliessen wir einen Ruhetag einzulegen. Wir haben den ganzen Tag nur gefaulenzt.

6. Tag:
Weiter gehts entlang der Altmühl. Heute wollen wir bis zur Quelle radeln und uns dann vor Rothenburg ob der Tauber einen Schlafplatz suchen. Die Altmühl ist hier nur noch ein schmaler Bach. Das am Unterlauf steile und teilweise engeTal hat sich in ein weites, leicht hügeliges Terrain verändert. Der Radweg ist jetzt durchgehend asphaltiert. Zwischen der Hornauer Mühle und dem dahinterliegenden Weiher zeigt eine Inschrift auf einem Stein den Ursprung der Altmühl an. Da es bereits sehr spät ist, suchen wir uns in der Nähe einen Platz für die Nachtruhe.


Tauber Radweg

Tag 7:
Der frühe Morgen beginnt mit einer Abfahrt in das 5 km entfernte Rothenburg ob der Tauber. Da in der letzten Nacht eine Isomatte geplatzt ist, müssen wir uns in Rothenburg ein Sportgeschäft suchen und eine Ersatzmatte beschaffen. Da wir schon um 8 Uhr in der Innenstadt sind, machen wir erst mal eine Stadtbesichtigung. Hier sind viele toll renovierte alte Gebäude zu bewundern und jede Menge Fachwerkhäuser. Wir sind bedingt durch die fehlenden ausländischen Gäste fast die einzigen Touristen. Nachdem die neue Matte ihren Platz im Gepäck gefunden hat, fahren wir weiter von der Altstadt hinunter zur Tauber. Weiter geht es entlang der Tauber bis zur Mündung in den Main. Der Tauber Radweg ist durchgehend Asphaltiert und bewegt an der Grenze zwischen Bayern und Baden Württemberg. Beim Mittagessen müssen wir den Wirt erstmal fragen,in welchem Bundesland wir in seinem Dorf sind. Die Dörfer am Weg wechseln immer das Bundesland und den zugehörigen Landkreis. Wir schaffen es bis kurz hinter Tauberbischofsheim, das als Hochburg des Fechtsports bekannt ist  und beenden da unseren Radltag.


8. Tag
Am Morgen geht es zunächst entlang des gut ausgebauten Tauber Radwegs in das 20 km entfernte Wertheim an Main. Hier ist der Tauber Radweg zu Ende, und wir biegen nach rechts flussaufwärts in den Main Radweg ein. Bevor es aber weitergeht genehmigen wir uns ein reichhaltiges Frühstück in einem Cafe am Marktplatz. Am späten Vormittag starten wir dann Main aufwärts auf dem ebenfalls gut ausgebauten Radweg Richtung Würzburg. Der Weg ist sehr flach und bewegt sich in der Steigung des Mains immer am Fluss entlang. Wir schaffen es heute tatsächlich noch bis Gmünden am Main, und biegen dort ab zum Radweg D9, der vom Main weg entlang des Flusses Sinn nach Norden führt. In Gmünden füllen wir dann erst mal unsere Vorräte wieder auf. Kurz nach Gmünden entdecken wir einen kleinen Fischweiher, mit Sitzbank und Tisch zum Kochen und einer schönen Wiese für unser Zelt.


Fulda - Weser Radweg

9.Tag
In der Früh ist es schattig und kalt. Nachdem das vom Tau nasse Zelt verstaut ist, starten wir ohne Frühstück. Unser Frühstück wollen wir später in der Sonne nachholen. Der R1 Radweg verlässt bei Kothen das Sinntal und führt über einen doch recht steilen Weg zum Quellgebiet der Fulda. Nach etwa 10 km bergauf-bergab sind wir schließlich an der Fulda angelangt. Immer entlang des Flusses kommen wir heute noch bis zur Stadt Fulda. Da in Hessen die Unterkünfte schon offen haben, leisten wir uns zur Feier des Tages ein Zimmer im Hotel zum Ritter in Fulda. Am Abend schauen wir uns noch den Dom und das Schloss von Fulda an, da beides in gehweite der Innenstadt liegt.


10. Tag
Am frühen Morgen genießen wir erst mal die leere Innenstadt von Fulda und fahren langsam am Dom und dem Schloss vorbei. Danach rollen wir hinunter zum Fluss Fulda und biegen Richtung Norden in den Fuldaradweg ein. Der Himmel ist wolkenlos, doch es blässt ein strammen und kalten Nordwind.  Am frühen Nachmittag gelangen wir nach Rothenburg an der Fulda, das zwar wesentlich kleiner ist als das berühmte an der Tauber, es kann aber auch mit jeder Menge Fachwerkhäuser aufwarten. 12 km weiter im Norden  in Morschen entdecken wir eine Unterkunft mit dem Namen Märchenschmiede. Jedes Zimmer in diesem Gasthof ist nach einem anderen Märchen benannt und dementsprechend ausgestattet. Bei der Ankunft empfangen uns die Wirtsleute sehr herzlich und geben uns das Zimmer Froschkönig.  gehalten. Im Zimmer ist alles grün. In einer Ecke steht aine riesige stylische Badewanne,entsprechend dem Motto des Zimmers. Da gerade noch vier Fahrradfahrer vor Ort sind, öffnet der Wirt spontan den kleinen Biergarten. Das hat sich im Ort schnell herumgesprochen und bald gesellen sich einige Stammgäste hinzu. Zur Feier des Tages und zur Wiedereröffnung nach Corona wirft der Wirt gleich mal eine Runde Schnaps, der dann noch weiter Runden folgen - bis die Flasche leer ist. Nach diesem sehr geselligen Abend kommen wir spät und etwas wankend ins Bett.


11. und 12. Tag
Am Morgen kommen wir nach der guten Zeche vom letzten Abend etwas schwer aus den Federn. Nach einem sehr leckeren Frühstück geht es weiter Richtung Norden. Kurz hinter Kassel in Altmünden fließt die Werra in die Fulda. Beide bilden jetzt zusammen die Weser. Wir radeln noch weiter bis Veckerhagen und finden dann auf einer abgemähten Wiese einen Platz für die Nacht. Wir können zwar den Besitzer nicht um Erlaubnis fragen, doch die Wiese ist frisch abgemäht und das Heu weg. Da scheint es uns ok eine kurze Nacht hier mit dem Zelt zu stehen. Am nächsten Morgen starten wir wieder sehr früh. Es ist noch empfindlich kalt. In Bad Karlshafen genehmigen wir uns erstmal in einem Cafe ein leckeres Frühstück. Wir radeln weiter die Weser hinunter bis Höxter. In Höxter zweigen wir nach links von der Weser ab und radeln Richtung Emsquelle. Anfangs geht es lange bergauf, dann auf welligem Gelände so dahin Richtung Externsteine, einem Felsmassiv im Teuteburger Wald.


Ems-Radweg

13. Tag
Die letzte Nacht haben wir wegen Mangel an Unterkünften im Wald in der Nähe der Externsteine geschlafen. Am Waldrand wird das Zelt in der Nacht nicht feucht, und es ist auch wärmer als auf dem freien Feld. Als erstes radeln wir am Morgen in wenigen Minuten zu den Externsteinen. Tolle Landschaft, solche Felsen haben wir hier nicht erwartet. Die Steine sind eine etwa 30 m hohe Felsgruppe , die hier im Teuteburger Wald stehen. Es gibt einige Sagen und Erzählungen um die Geschichte und den Ursprung der Steine. Auch sollen hier schon mystische Wesen gehaust haben. Solche ungewöhnlichen Felsformationen, in einer Gegend, wo es so was eigentlich nicht gibt, regen seit Generationen die Fantasien an. Von den Steinen geht es mit dem Rad weiter durch bewaldetes Gelände auf meist ungeteerten Wegen zur Quelle der Ems. Auf rund 370km wird aus dem aus dem Waldboden rinnendem Wasser bis zur Mündung in die Nordsee ein breiter Fluss. Wir verlassen kurz vor der Quelle den R1 Radweg und folgen jetzt dem Emsradweg, der uns bis nach Emden führen soll. Etwa 40 km nach der Quelle, in Wiedenbrück an der Ems, nehmen wir uns eine Unterkunft für die Nacht.


14. Tag
Dieser Tag ist mit 120 km der bisher längste unserer Tour. Der Radweg geht immer rechts oder links der Ems entlang, entfernt sich auch mal ein paar Kilometer vom Fluss, führt wieder zurück, kreuzt den Fluss um sich dann auf der anderen Uferseite wieder für ein paar Kilometer zu entfernen.Irgendwie kommt es uns vor, als würden wir wie beim Segeln vor dem Wind nach Emden kreuzen. Da heute Pfingstmontag ist, sind viele Radfahrer unterwegs - die Corona Lockerungen werden von vielen Leuten ausgiebig genutzt. Die Gegend ist flach, der Weg wenn nicht geteert oft sandig. Das Rad und unsere Gepäcktaschen sind am Abend ganz staubig. An einem Waldrand neben einem Maisfeld finden wir einen ruhigen Platz für die Nacht. 210 km liegen noch vor uns.


15. Tag
Mehr geht nicht, dachten wir gestern. Doch am Abend standen diesmal 140 km auf unserer Logge. Wir radeln meist über Wiesen und Wälder. Die Ems wird breiter. Immer wieder kommen wir an Schleusen vorbei, wo große Frachtschiffe geschleust werden. Wir freuen uns auch heute über den Rückenwind, der uns ab dem späten Vormittag kräftig schiebt. Es ist inzwischen schon hochsommerlich heiß. Lingen, das auf unserer Etappe liegt, wurde mit über 30 Grad die höchste Temperatur in Deutschland gemessen. Wir machen öfters Pause um zu trinken oder um ein Eis zu Essen. Erst spät Abends finden wir einen Platz zum Schlafen. Die Wiesen und Wälder durch die wir kommen benötigen dringend Wasser. Morgen soll es Gewitter geben. Wir hoffen allerdings die verbleibenden 70 km vor dem Regen zu schaffen.


16. Tag
Heute soll unser Finale in Emden sein. Schon am Morgen ist es sehr heiß und schwül. Diese Etappe geht an dem Emsdeich entlang, wo es kaum Schatten gibt. Viele Schafe weiden auf dem Damm, die mehr unter ihrer dicken Wolle zu schwitzen scheinen als wir auf dem Rad. Die Ems sehen wir kaum, da die Sicht durch den Damm behindert wird. In Papenburg radeln wir an der berühmten Mayerwerft vorbei, in der die großen Kreuzfahrtschiffe gebaut werden. Kurz nach Leer, nachdem wir die Emsbrücke überquert haben, habe ich meinen erster Plattfuß. Ich habe mir irgendwo einen Nagel eingefangen, der die Luft am Hinterreifen langsam entweichen lässt. In 15 min war das Problem behoben: Hinterrad abmontieren, alter Schlauch raus, neuer drauf, aufpumpen, Hinterrad wieder montieren und weiter geht es. Im schönen Ditzum legen wir dann erst mal eine Pause ein, da die kleine Personenfähre zum Übersetzen über die Ems erst in knapp einer Stunde fährt. Die Ems ist jetzt schon recht breit und den Tiden von Ebbe und Flut ausgesetzt. Nach knapp 20 Minuten sind wir mit der Fähre für 1,50 Euro am Nordufer der Ems, kurz vor Emden angelangt. Mit Blick links auf den Dollard radeln wir langsam nach Emden hinein. Unsere Tour von Ruhpolding nach Emden quer durch Deutschland ist hier nach 1400 km und 16 Tagen beendet.
Nachtrag: Da die Länder auf unserem für 2020 geplanten Segeltörn immer noch Einschränkungen im Zugang haben, und wir eine zweite Corona-Welle befürchten, überlegen wir von hier auf einem anderen Weg mit dem Fahrrad zurück nach Ruhpolding zu radeln.


Nordseeküsten Radweg

17. Tag
In den letzten zwei Wochen haben wir auf unserem Segelboot Noe geschraubt, gespachtelt, gemalt, geputzt und viel getestet - das Boot ist wieder bereit für den nächsten Törn. Wir wollen aber die nächsten Wochen noch die weiteren Öffnungen der Nachbarländer abwarten und haben beschlossen erst mal wieder heim nach Ruhpolding zu radeln. In ungefähr vier Wochen wollen wir dann mit dem Auto zurück nach Emden fahren.
Unser Weg zurück soll uns zunächst auf dem Nordseeküstenradweg bis Hamburg führen. Danach wollen wir weiter der Elbe entlang bis zur Saale radeln. Nach dem Start um 9 Uhr ging es zunächst durch Emden durch und dann entlang  der Ems bis nach Norddeich. Der Weg dorthin geht meist entlang des Nordseedamms, der das Land vor den Gefahren der Sturmflut schützt. Da wir meist auf der zur See gewandten Seite radeln haben wir einen weiten Ausblick auf das Watt und die ostfriesischen Nordseeinseln. In Neßmersiel nach 80 km kommt Regen auf, und wir finden Unterschlupf in einer netten Pension.


18. Tag
Am Morgen lässt der Regen nach und schon beim Frühstücken lösen sich die Wolken teilweise auf und die Sonne kommt hervor. Wir radeln weiter am Damm entlang der Küste Richtung Osten. Der Radweg wechselt öfters zwischen der dem Meer zugewandten und der dem Land zugewandten Seite des Damms. Die vielen Schafe, die auf dem Damm grasen, haben hier zwei nützliche Funktionen: zum einen halten sie den Damm frei von Bewuchs und zum anderen festigen und stabilisieren sie den Damm mit ihren Hufen. Allerdings ist der Radweg durch die vielen Schafe stellenweise stark verschmutz. Heute ist uns auch der Wind wieder wohl gesonnen, der mit einer leichten Brise von hinten bläst und auch die letzten dunklen Wolken vor uns herschiebt. Wir kommen an vielen alten Fischerdörfern vorbei und erreichen Mittags Wilhelmshaven. Nach einer guten Brotzeit und Kaffee mit leckerem Kuchen radeln wir mit Rückenwind  noch halb um den Jadebusen herum. In Augustenhausen mieten wir auf einem Campingplatz eine Hütte und schließen den Radltag nach 120 km ab.


19. Tag
Heute wollen wir bis Bremerhaven kommen, wo wir bei unseren Freunden Susanne und Egon eingeladen sind. Wir radeln erst mal einige Kilometer Inland, bevor wir wieder an die Küste kommen. Hier gibt es viele alte  und sehr schön erhaltene Höfe, die viele Sturmfluten überstanden haben. Der gesamte Jadebusen ist eigentlich erst im 13. Jahrhundert durch eine gigantische Sturmflut entstanden. Damals wurde eine riesige Landmasse überflutet und beim Abfließen auf das Meer ausgespült. Erst der Bau von Schutzdeichen in den folgenden Jahrhunderten führte zum erneuten Landgewinn und zum Schutz der in diesem Gebiet angesiedelten Bauern. Die Dämme sind zwar immer wieder erhöht worden, doch die Markierungen der Wasserstände der Stürme in den letzten 300 Jahren sind beeindruckend hoch an der Kante des Damms. Wir radeln die Strecke bis Blexen wieder auf der zum Meer zugewandten Seite des Damms. Eigentlich sind wir in Blexen ja an der Mündung der Weser in die Nordsee, doch die Distanz zum anderen Ufer nach Bremerhaven scheint so weit weg, dass hier der Fluss nicht mehr erkennbar ist. Mit einer Autofähre setzten wir von Blexen nach Bremerhaven über.


20.Tag
Nach einem langen Abend mit Susanne und Egon kommen wir etwas verspätet aus dem Bett. Nach einen ausgiebigen Frühstück entschließt sich Egon, uns bis Cuxhaven zu begleiten. Egon fährt ohne Gepäck und legt ein mächtiges Tempo vor, dem wir nur mühsam in seinem Windschatten folgen können. Wir haben dazu auch noch Glück mit dem Wind, der uns aus Südwest kommend die Küste entlang schiebt. Unsere erste Kaffeepause machen wir nach 20 km in Genthe‘s Fischbude, wo wir den berühmten Apfelkuchen und Pflaumenkuchen probieren. Gestärkt geht es dann ohne Unterbrechung weiter bis Cuxhaven, wo wir Egon am Bahnhof verabschieden. Er nimmt den Zug zurück nach Bremerhaven. Wir radeln weiter an der Küste entlang bis zur Oste. Nach etwa 15 km erreichen wir Oberndorf, der Heimat von Marlene und Bert. Wir dürfen in ihrem tollen Haus mit Blick auf die Oste übernachten, obwohl beide für einige Wochen mit ihrem Segelboot Heimkehr auf der Nordsee unterwegs sind. Zum Abendessen gehen wir in die Kombüse 53. Dort wird alles mit lokalen Produkten frisch gekocht. Der Wels mit Bratkartoffel ist sehr lecker.


Elberadweg

21. Tag
Heute wollen wir bis Hamburg kommen. Nach einem kurzen Frühstück starten wir von Oberndorf an der Oste in Richtung Elbe. In der Früh ist es wolkenlos, warm und nahezu windstill. Mit unserem Navigationsapp suchen wir uns die kürzeste Verbindung zum Elberadweg. Ich habe dazu mein Handy in einer speziellen Halterung an der Lenkstange angebracht und habe somit jederzeit Zugriff auf die elektronische Karte zur Orientierung. Die Route des Elberadweges habe ich mir vorher von waymarked.trail geladen und auf maps.de kopiert. Entlang der Elbe gibt es zwei Radwege, an jeder Uferseite einen. Wir planen den Weg westlich der Elbe zu radeln. Bald haben wir die Elbe erreicht und machen in der schönen Hansestadt Stade unseren ersten Stopp. Kurz vor Hamburg umfahren wir die Fabrik von Airbus und setzen kurz danach in Finkenwerde mit der Fähre zu den Landungsbrücken in Hamburg über. Weiter geht es nun vorbei an der Elbphilharmonie und einigen Speichergebäuden nach Süden, bis wir in Fünfhausen unser Nachtquartier erreichen.


22. Tag
Heute starten wir ohne Frühstück, da unsere Unterkunft kein Frühstück anbietet. Am Vortag haben wir noch zwei Bananen gekauft, das muss heute zum Start reichen. Wir starten schon um 7:30, da am Vormittag die besten Bedingungen zum Radfahren sind: windstill und nicht zu warm. Nach 10 km kommt eine Fähre, die uns wieder auf die Westseite der Elbe bringt. Die Fähre wollte eigentlich schon ablegen, doch als uns der Fährmann sieht, hält er noch einmal und nimmt uns mit. Wir kommen jetzt durch viele kleine Dörfer, in denen es überall Störche gibt. Die Störche brüten gerade und wir sehen viele Jungstörche in den Nestern sitzen. Um 9:00 machen wir die erste Pause in Bleckede, bei leckerem Kuchen mit Kaffee. Inzwischen kommen auf der Strecke auch die ersten Hügel, die uns auch mal wieder zum Schwitzen bringen. 10 km vor Gorleben sehen wir links von dem Radweg einen Aussichtsturm, bei dem wir anhalten. Irgendwie ist es ganz schön hier mit tollem Rundblick über die Elbe. Da es bereits fast 20 Uhr ist beschließen wir hier zu übernachten. Unten am Turm gibt es sehr viele Ameisen also schleppen wir unsere Packsäcke auf den Turm und legen unsere Isomatten und Schlafsäcke auf der Plattform unter dem freiem Himmel aus. Als wir kurz vor Dunkelheit in den Schlafsack kriechen wollen, fängt es plötzlich über uns an zu summen. Der Blick nach oben zeigt eine wabernde große Wolke aus tausenden von Mücken, die sich langsam immer weiter nach unten bewegen. Schnell bauen wir dann doch noch unser Zelt auf der Plattform auf, um durch das schützende Innenzelt den blutrünstigen Saugern keine Mahlzeit zu bieten.


23. Tag
Bei einem herrlichen Sonnenaufgang genießen wir unser Müsli-Frühstück auf dem Aussichtsturm. Auf der östlichen Seite der Elbe hat sich in der Nacht Bodennebel gebildet. Das Zelt hängen wir zum trocknen in die Sonne. Auch meine Akkus für das Handy kann ich mit Solarzellen auf unserer Plattform in der Sonne laden. Um 7:30 starten wir mit dem Rad Richtung Gorleben, das durch die vielen Proteste gegen das Atomlager in die Schlagzeilen geraten ist. Kurz nach Gorleben kommen wir an einigen Sendeantennen vorbei, Relikte aus der Zeit des kalten Kriegs und die Lausch- und Sendestationen des Westens Richtung Osten. Kurz danach überqueren wir die Grenze zu Sachsen-Anhalt. Auf den nächsten Kilometern kommen kaum Häuser und wenige Orte. Der Radweg führt meist auf oder neben dem Elbe Hochwasserdamm entlang. Mittags fahren wir durch Wahrenberg, das sich selbst zum storchenreichsten Dorf in Deutschland erklärt hat. In der Tat stehen im Dorf viele Pfähle mit Storchnestern, und auch viele Hausdächer sind bewohnt. In Werben finden wir dann doch noch das obligatorische Cafe. Die Infrastruktur mit Restaurants und Cafes ist in Sachsen-Anhalt bisher nicht sehr ausgeprägt. 20 km vor Tangermünde fangen wir an uns einen Platz für die Nacht im Zelt zu suchen. Die Suche nach Unterkünften führte zu keinem Ergebnis. Irgendwie finden wir nichts geeignetes und landen letztendlich in der schönen Kaiserstadt Tangermünde auf einem Zeltplatz für Radler - passt!


24. Tag
Heute ist es am Morgen stark bewölkt und es sieht nach Regen aus. Sehr früh starten wir Richtung Magdeburg. Gemütlich geht es entlang der Elbauen bis nach Rogätz, wo wir mit einer Fähre zum östlichen Ufer der Fähre übersetzen. Auf der Fähre sind noch weitere sechs Radfahrer mit Gepäcktaschen. Die Anzahl der Radwanderer  hier am Elberadweg ist nicht allzu hoch. Tagsüber kommen uns 10-20 Radwanderer entgegen. Meist radeln wir alleine. Kurz vor Magdeburg geht es dann über eine geschwungene Brücke für Radfahrer und Fußgänger zurück auf die Westseite der Elbe. Es ist Mittag, als wir in Magdeburg ankommen. Hier steigt die Dichte an Restaurants wieder deutlich an, so dass wir uns bald in einer netten Gaststätte das Mittagessen schmecken lassen. Heute stehen gefüllte Paprikaschoten und Spinat mit Ei auf dem Speiseplan - lecker! Wir radeln weiter in Magdeburg immer entlang der Elbe Richtung Süden und machen südlich der Stadt eine weitere Pause in den Elbauen. Es ist sehr heiß und schwül und die Wolken vom Morgen haben sich längst aufgelöst. Die Mittagshitze überbrücken wir im Schatten eines Baumes mit einem erholsamen Mittagsschlaf. Nach weiteren 30 km erreichen wir Barby, wo wir wieder mit einer Fähre das Ufer wechseln. Kurz hinter Barby fließt die Saale in die Elbe, an der wir eigentlich weiter radeln wollten. Doch wir planen um und entschließen uns weiter die Elbe hoch bis Dresden und Prag zu radeln. In Walternienburg direkt beim Wasserschloss finden wir ein nettes Quartier für die Nacht.


25. Tag
Wir starten heute etwas später, da es in der Pension, in der wir übernachten Frühstück erst um 8:30 Uhr gibt. Schon in der Früh ist es sehr warm und schwül. Anfangs führt der Weg lange durch einen schönen und schattigen Wald. Bei der nächsten Fähre, mit der wir wieder an das Westufer gelangen wollen, ist das Halteseil gerissen und wir müssen weitere 15 km auf der Ostseite weiter bis nach Aken radeln. Mit unseren letzten Cent zahlen wir die Überfahrt. Die letzten Tage konnten wir unsere Einkäufe und Übernachtungen nur mit Bargeld zahlen, da die Geschäfte und Pensionen die Anschaffungskosten der notwendigen Geräte vermeiden. Aber auch Bankautomaten sind nur in großen Orten zu finden. Wir müssen uns da erst „zurück Umstellen“ von der gewohnten Bezahlung mit EC Karte und wieder mehr Bargeld mitführen. Nachdem die „Bordkasse“ in Aken wieder gefüllt ist, gehen wir dort erst mal in ein Café für den obligatorischen Cappuccino. Weiter geht es nun auf der Westseite der Elbe bis zur Lutherstadt Wittenberg, in der wir am frühen Nachmittag ankommen. Hier müssen wir erst mal etwas Kultur tanken und schauen uns die Kirche und das Tor an, an dem Martin Luther angeblich seine Thesen an der Kirchentür angeschlagen hat. Wir wandern etwas in der historischen Innenstadt umher und folgen dabei einem Rundweg, bei dem an vielen Gebäuden Tafeln mit geschichtlichen Erklärungen aufgestellt sind. Wir beschließen hier in Wittenberg zu übernachten. Letztendlich landen wir auf Empfehlung von ein Einheimischen zum Abendessen im Kartoffelhaus, wo wir den Tag mit dunklem Bier und einem vorzüglichen Kartoffelgericht ausklingen lassen.


26. Tag

Wir radeln langsam durch die Innenstadt von Wittenberg und bestaunen im Vorbeifahren nochmals die historischen Gebäude. Kurz nach 8 Uhr verlassen wir die Stadt auf dem östlichen Radweg der Elbe. Bei der nächsten Fähre wollen wir eigentlich auf die westliche Seite wechseln, doch der Fährmann ist nirgends zu finden. Also östlich weiter zur nächsten Fähre. Auch hier haben wir kein Glück, da heute am Samstag erst ab 12 Uhr gefahren wird. Wir radeln deshalb weiter bis zur Brücke in Torgau und kurz vorher über die Grenze nach Sachsen. Von der Brücke über die Elbe bestaunen wir erst mal das schöne Schloss von Torgau, das heute als Landratsamt dient. Im Burggraben tummeln sich drei ausgewachsene Braunbären. In der Innenstadt finden wir dann ein Cafe, wo wir uns heute mal einen Eiskaffee gönnen. Kurz vor Mittag hat es bereits über 30 Grad, und die ersten Turmwolken für das angekündigte Gewitter bringen sich schon in Stellung. Am Nachmittag wird der Wind vom Westen stärker und treibt uns bis nach Oppitzsch kurz vor Riesa. In einer netten Gaststätte direkt an der Elbe finden wir Zuflucht vor den schwarzen Wolken, die jetzt aus Westen kommen. Im Biergarten bleiben wir bei gutem Essen und vielen Getränken erst mal lange sitzen und beschließen nach geradelten 110 km hier über Nacht zu bleiben. 

27. Tag
Der Regen und das angekündigte Gewitter sind ausgeblieben, dafür ist es morgens um 7 Uhr schon schwül und sehr warm. Nach einem üppigen Frühstück radeln wir los. Heute liegen zwei interessante Orte auf der Strecke: nach 30 km kommt Meißen und nach 60 km Dresden. Wir kommen gut voran und sind  schon vor 10 Uhr in Meißen. Hoch über der Elbe lädt der Dom und das Schloss zu einem Besuch ein. Nachdem wir zu Fuß die vielen Treppen hochgegangen sind und unsere Rundtour beendet haben, finden wir doch ein offenes Cafe um einen Cappuccino zu trinken. Auf dem Radweg ist heute am Sonntag einiges mehr an Radlern unterwegs als unter der Woche.  Viele Leute nützen das warme Sommerwetter für einen Ausflug entlang der Elbe. Schon bald geht es weiter mit Rückenwind nach Dresden, wo wir zur Mittagszeit ankommen. Nachdem wir in der renovierten  Innenstadt die wichtigsten Gebäude zumindest von außen gesehen haben, radeln wir zur Frauenkirche und dem davor platzierten Luther-Denkmal.  Bei unserem letzten Besuch in Dresden war die Kirche mitten im Wiederaufbau. Inzwischen ziehen dunkle Wolken am Himmel auf, doch wir machen uns trotzdem auf den Weg Richtung Sächsische Schweiz. Die Elbe fließt jetzt in einer Schlucht, die links und rechts von Sandsteintürmen gesäumt wird. Am Nachmittag erreichen wir nach 110 km Krippen, der letzte größere Ort in Deutschland vor der Tschechischen Grenze.


28. Tag

Is this the real life?
Is this just fantasy?
Caught in a landslide
No escape from reality
Open your eyes
Look up in the sky and see....

Ich summe den Song Bohemian Rapsody von Freddy Murcury vor mich hin, während wir über die Grenze der Tschechischen Republik fahren. Und in der Tat befinden wir uns jetzt in Bohemia oder Böhmen. Steil ragen die Sandsteinfelsen links und rechts in den Himmel, das Tal ist fast komplett ausgefüllt mit der Elbe. Heute führt die Elbe wieder Hochwasser, so dass die Uferbereiche auch überschwemmt sind. Nur in einigen Seitentälern sind einige Häuser gebaut. Erst in Decin wird das Tal weiter und hat Platz für eine Stadt. Da in Tschechien mit Kronen bezahlt wird, müssen wir erst mal zum Geldautomaten. Dann gehen wir erst einmal in eine Bäckerei und investieren in Cappuccino und Kuchen. Mit umgerechnet 4 Euro bekommen wir alles für uns beide. Als wir Decin verlassen, sehen wir am Burgfelsen dicke Kerben mit den Hochwasserständen der letzten 300 Jahre. Im Jahr 2012 war eines der höchsten Pegelstände - ca. 5 m höher als der Radweg! Die Elbe, die hier Labe genannt wird, schlängelt sich jetzt durch das weite Tal. Am Wegrand stehen oft Tafeln, auf denen geschichtliches in Bild und Text zum jeweiligen Ort erklärt wird. Alle Schilder sind dreisprachig! So erfahren wir auch, dass bis zum Ende des 2. Weltkriegs viele Siedler aus dem Rheinland und der Unterelbe hier gewohnt haben. Die Gegend ist sehr fruchtbar und hat ein sehr mildes Klima, das auch den Anbau von Wein ermöglicht. Am Ende des Krieges wurden die Siedler alle wieder vertrieben. Einige kurze Teilstücke des Radweges müssen wir kurz vor Roudnice auf der Hauptstraße fahren, sehen aber, dass der fehlende Radweg in Bau ist. Nach 90 km lassen wir den Tag in Roudnice ausklingen.


Moldauradweg

29. Tag
Am Morgen radeln wir mit Rückenwind an der Elbe entlang - so soll es sein! Der auf den meisten Abschnitten schön ausgebaute Radweg verläuft oft direkt am Elbufer. Da der Fluss immer noch Hochwasser führt, radeln wir direkt am Wasser entlang. Nach etwa 40 km verlassen wir die Elbe und biegen rechts auf den Moldauradweg ab. Entlang der Moldau wollen wir über Prag nach Budweis und weiter in den Böhmerwald. Zunächst haben wir mal den starken Westwind von vorne und kommen nur im Schneckentempo voran. Für eine kurze Abwechslung sorgt eine Fahrt mit einer kleinen Fähre zum anderen Flussufer. Tja, und dann geht es am Ufer der Moldau nicht mehr voran, da  ein Felsriegel am Ufer steht. Unser erster richtiger Berganstieg seit langem liegt vor uns. Der Felsriegel wird in einem Bogen umfahren. Es sind zwar nur etwa 100 Hm, doch da unsere Beine nur flache Strecken gewohnt sind, wird der Anstieg etwas zäh. Der Weiterweg bis Prag erfolgt dann wieder meist direkt entlang der Moldau. Kurz nach 13 Uhr und 80 km in den Beinen beziehen wir unser Hotel in Stadtmitte von Prag und erkunden zu Fuß die Stadt.


30. Tag
In den nächsten vier Tage kommen die Königsetappen unserer Rundreise. Wir planen zuerst entlang der Moldaustauseen nach Budweis zu radeln, dann weiter durch den Böhmerwald und Bayrischen Wald nach Passau. Das Höhenprofil der Etappen zeigt immer mehr als 1000 Hm am Tag an.

Zunächst geht es in aller Früh aus Prag heraus. Entlang der Moldau kommen uns viele radelnde Pendler auf dem Weg zur Arbeit entgegen. Nach etwa 15 km wechseln wir mit einer kleinen Fähre die Uferseite und radeln am westlichen Ufer der Moldau auf der Landstraße weiter. Wir umgehen so unseren ersten Berg. Um 10 Uhr machen wir die erste Kaffeepause, es ist wieder sehr warm und schwül. Der Weiterweg zieht mit gleichmäßiger Steigung in einem engen Seitental der Moldau hoch. Bevor wir das Tal nach oben hin steil verlassen sorgt noch eine Flussdurchquerung für erfrischende Abwechslung. Den ganzen Tag geht es so von einem Seitental der Moldau in das nächste. Einige Male queren wir die Moldau auch um gegenüber den Hang wieder nach oben zu radeln. Das Moldautal ist einfach zu schmal für eine Strasse. Am späten Nachmittag erreichen wir Milesov, wo wir uns entschließen zur Staumauer des Moldaustausees abzufahren. Von der Staumauer soll es eine Fähre geben, die auf bis zum Schloss nach Orlik fährt - eine Abkürzung von 30 km. Als wir an der Staumauer ankommen ist weder eine Fähre noch eine Haltestelle zu sehen. An einer kleinen Imbissstation fragen wir nach. Wir erfahren, dass um 18:30 noch eine Fähre nach Orlik abgeht, und ein Gast erklärt sich bereit uns die Abfahrtsstelle zu zeigen - sein Bier müsse er aber vorher noch austrinken. Kurz nach 18 Uhr schieben wir unser Rad einen schmalen Pfad hinunter zum Stausee. Hier gibt es doch tatsächlich einen kleinen Steg, an dem auch ein Fahrplan aushängt - das hätten wir alleine nie gefunden. Die Fähre  erscheint pünktlich und bringt uns als einzige Passagiere hinüber nach Orlik, wo wir kurz vor 20 Uhr ankommen. Majestätisch steht das große Schloss am See. Früher, vor dem Bau des Stausees lag das Schloss 60m über dem Talgrund. Jetzt liegt es direkt am See. Mit letzter Kraft schieben wir unsere Räder vom Bootsanleger in Orlik hoch zum Dorfgasthof von Stare Sedlo der noch geöffnet ist. Beim Essen erfahren wir, dass es auch kleine Hütten zum Übernachten gibt. Wir überlegen da nicht mehr lange und beenden ziemlich erschöpft den Tag nach 100 schweißtreibenden Kilometern.


31. Tag
Heute sind wir erst mal faul. Wir haben gestern zufällig entdeckt, dass es im Sommer eine Fähre gibt, die den gesamten See der Länge nach bis Tyn nad Vitavou durchfährt.  Das erspart uns 50 km und viele Höhenmeter. Dazu fährt die Fähre heute den ersten Tag. Besser kann man Zufälle gar nicht planen. Um 9:30 stehen wir am Fährsteg und fragen uns durch. Um 9:50 sind wir pünktlich auf der Fähre. Der Stausee schlängelt sich meanderförmig durch die hügelige Gegend. Nach drei Stunden Fahrt, sind wir pünktlich in Tyn. Dem Anlegesteg gegenüber liegt perfekt zur Mittagszeit ein Restaurant. Um dorthin zu kommen, müssen wir erst durch das Stegtor. Der Schlüssel dafür ist wohl im Winter verloren gegangen. Schnell taucht am Steg eine Flex auf. Mit dem Bordstrom der Fähre und einem schnell verlegten Verlängerungskabel wird das Schloss erst mal weggeflext. Die Kosten für den Schlüsseldienst wurden so eingespart. Inzwischen hat sich der Himmel mit dunklen Wolken zugezogen. Auf den ersten Kilometern tröpfelt es immer wieder. Auf den letzten 15 km nach Budweis können die Wolken nicht mehr halten und pullern uns gleichmäßig mit Dauerregen pitschnass. Zum Glück haben wir von unterwegs in der Innenstadt von Budweis ein Zimmer gebucht, so dass wir uns dort fürs Abendessen mit leckerer tschechischer Küche erst mal duschen und umziehen können. Nach heute drei Stunden Fähre und 48 km radeln, haben wir uns das gute Essen verdient.


32. Tag
In der Früh haben sich die Regenwolken wieder verzogen und es scheint die Sonne. Zunächst folgt der Radweg gemütlich flach der Moldau, doch der Weg endet bald in einer viel befahrenen Landstraße. Der Radweg weicht dadurch in die umliegenden Hügel aus. Unzählige Steigungen schieben und radeln wir bergauf, um anschließend im steile Gefälle wieder nach unten zu bremsen. Mittags sind wir dann an der Burg Krumau. Die zugehörige historische Innenstadt wird von einem Meander der Moldau umschlossen. Hier ist richtig was los. Zum einen lockt der historische Ort Urlauber an, zum anderen tummeln sich hunderte von Schlauchbooten und Kajaks auf dem Fluss. Eine schier endlose Kette von Booten treibt an uns vorbei den Fluss hinunter. Besonderes Gejohle erzeugen die kurzen Stromschnellen, die neben den kleinen Wehren extra für die Boote gebaut wurden. Nach Angaben eines Bootsvermieters ist die Moldau der am meist befahrene Fluss in Europa - zumindest was Schlauchboote und Kajaks betrifft. Nach einem Rundgang durch den Ortskern geht es für uns weiter. Mit immer noch sehr hügeligem Gelände gelangen wir schließlich nach Hohenfurth. Dort macht die Moldau einen Knick und unser Weg geht weiter Richtung Nordwest zum großen Moldaustausee. Entlang des Sees reihen sich Ferienhäuser, Gasthöfe und Pensionen. Da gerade das Wochenende beginnt, ist auch hier viel los. Wir beschließen in Friedberg die Fähre über den See zu nehmen, um auf der unbewohnten Nordseite einen ruhigen Platz für die Nacht zu finden. Nicht weit von der Fähre werden wir direkt am See fündig. Nach 100 anstrengenden km bauen wir unser Zelt direkt am See auf. 


33. Tag
Zunächst geht es bei wolkenlosem Wetter und leichtem Nebel über dem Stausee eine geteerte Waldstraße entlang. Irgendwie ist uns heute gar nicht nach Berge radeln, zu schwer sind die Beine noch von gestern. Beim Blick auf die Karte sehen wir eine Abkürzung  nach Aigen-Schlägel in Österreich. Der Weg zur Donau wäre um 40 km kürzer als über Haidmühle. Da überlegen wir nicht lange und biegen links ab. Doch die Freude wärt nicht lange, denn kurz hinter der Grenze erwartet uns für Österreich standesgemäß ein Berg. Wenn man sein Rad schiebt, dann bleibt noch mehr Zeit die Landschaft, Pflanzen, Tiere, Wege und Schilder zu beobachten. Als die Straße gerade besonders steil ist, schieben wir unser Rad an einem großen Schild mit der Überschrift Schwarzenbergscher Schwemmkanal vorbei. Eigentlich sind wir an dem Schild schon vorbei, bis die Gehirnzellen rattern und Interesse bekunden - es ist ja auch noch früh am Morgen. Wir schieben die paar Meter zurück und erfahren von dem Schild, dass der Kanal, den wir gerade kreuzen, im 18. Jahrhundert gebaut wurde, quer durch den Böhmerwald geht und früher für den Transport von Holz genutzt wurde. Der Weg neben dem Kanal wurde nach der Wende als Radweg ausgebaut und führt bis zum Rosenauerstein auf 931 m in der Nähe von Haidmühle, wo wir ursprünglich eh hin wollten. Die Steigung des Radweges wird durch das Fließgefälle des Kanals bestimmt. Es handelt sich um eine Meisterleistung der Ingenieurskunst der damaligen Zeit. Na, das wollen wir uns dann nicht entgehen lassen - wir biegen ein auf dem Kanalweg des Schwemmkanals Richtung Rosenauerstein. Der Weg geht in kaum wahrnehmbarer Steigung am Hang entlang quer durch den Böhmerwald. Immer wieder kommen Schautafeln und erklären die Historie des Hölzfällens, der Glaskunst und berichten vom kargen Leben in dieser wilden Gegend. Nach 2 Stunden haben wir den Rosenauerstein erreicht. Kurz vorher sind wir am Schild mit der Aufschrift 931m, und somit am höchsten Punkt unserer Tour. Nun geht es erst mal Richtung Donau hinunter auf kanpp 200m. Nach dem passieren der deutschen Grenze radeln wir durch Haidmühle. Hierher ging auch einmal eine Bahnlinie herauf. Die Bahnlinie wurde abgebaut und zum Radweg umgebaut. Es folgen jetzt 10km Abfahrt vom Feinsten - kein Treten und kein Bremsen, immer gleichmässig bergab! Als wir schon so langsam eingelullt sind vom gleichmässigen Rollen, holt uns am Ende der Abfahrt der erste Berg mit einem steilen Anstieg in die Wirklichkeit zurück. Der restliche Weg bis zur Donau muss wieder feste gestrampelt werden. Wir schaffen es heute nicht mehr bis zur Donau, und bauen 6km vorher unser Zelt auf.


34. Tag

Am Morgen geht es von unserem Übernachtungsplatz die restlichen 6 km zur Donau nur bergab. Von dort sind es auf dem Donauradweg noch 20 km bis Passau. Um 9:00 lassen wir uns beim ersten Cafe in der Nähe des Doms nieder und bestellen erst mal einen Cappuccino und ein Croissant. Der flache Donauradweg erschien uns mit seinem glatten Asphalt eher wie ein Ruhekissen. Als Weiterweg hinter Passau haben wir uns den Innradweg ausgesucht. Da es beidseitig des Inns auf der deutschen (Römerweg) und österreichischen Seite (EV7) einen Radweg gibt, können wir uns nicht so richtig entscheiden und wechseln schlussendlich ein paar Mal hin und her. Im Nachhinein erscheint uns die österreichische Seite interessanter und abwechslungsreicher, aber auch hügeliger und somit anstrengender zu sein als die deutsche Seite. In Simbach wechseln wir dann über den Inn nach Braunau, um weiter der Salzach zu folgen, die hier in den Inn fließt. Zuerst geht es flach am Damm der Salzach entlang, doch kurz vor Burghausen verläuft die Salzach spektakulär in einer Schlucht. Wir müssen mit dem Rad anstrengend auf die Höhen ausweichen. In Burghausen wechseln wir wieder auf die deutsche Seite über. Wir schieben den steilen Berg zur Burg hoch und radeln kurz vor Sonnenuntergang durch die Burganlage von Burghausen. Die Burg ist mit über einem Kilometer Länge die längste Burg Europas. Am meisten waren wir überrascht, dass viele Gebäude und Türme aktiv bewohnt sind. Mit dem Fahrrad kann man schön durch die gesamte Burganlage radeln.


35. und letzter Tag

80 km sind es noch von Burghausen bis Ruhpolding. In unserer Herberge in der Nähe der Burg von Burghausen gab es leider kein Frühstück, sodass wir hungrig den letzten Tag starten. Langsam rollen wir aus Burghausen Richtung Südwesten hinaus. Unser Weiterweg soll uns zum Traun-Alz Radweg bringen und somit zurück zum ersten Teil unserer ersten Etappe. Nach etwa 15 km schließt sich der Kreis und wir befinden uns auf dem Radweg entlang der Traun, der uns bis vor unsere Haustüre in Ruhpolding bringen wird. Erst in Trostberg finden wir ein Cafe, wo wir unser Frühstück mit Butterbreze und Kuchen nachholen. Die letzten Kilometer an Traunstein vorbei werden ein Wettlauf mit dem plötzlich aufziehenden Regenwetter. Wir gewinnen und kommen trocken kurz nach Mittag daheim in Ruhpolding an. Nach 35 Tagen auf dem Rad und ungefähr 3300 geradelten Kilometern, entlang zahlreicher Flüsse, Sehenswürdigkeiten, Städte und Dörfer mit netten Menschen, ist unser Radabenteuer vorbei. Schön war's! Mal sehen, was uns als nächstes Abenteuer so einfällt....

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Kommentare: 10
  • #1

    Rita (Donnerstag, 21 Mai 2020 07:29)

    Ich finde die Idee super schön, ich hoffe alles läuft wie geplant, ihr habt schönes Wetter, euch noch gute Fahrt und gutes Ankommen. �

  • #2

    Gabi und Norbert (Donnerstag, 21 Mai 2020 21:07)

    Servus Ihr zwei, wir wünschen Euch - immer gutes Radlwetter, immer genug Luft im Reifen und einen immer weichen Sattel. Alles Gute von Gabi und Norbert

  • #3

    Marc (Freitag, 22 Mai 2020 17:57)

    Thomas, Respekt vor der Leistung und der Energie. Wünsch euch gutes Wetter, viele neue Eindrücke, neues am Rande, und bleibt vor allem gesund

  • #4

    Rita (Samstag, 23 Mai 2020 16:36)

    Wunderschöne Bilder �..... Toll, dass ihr uns teilnehmen lässt bei so große fahrradtour.... Und Tom, iss lieber keine chinesischen Nudeln mehr damit ihr gesund und munter das Ziel erreicht ��

  • #5

    Dietmar und Petra (Montag, 25 Mai 2020 10:34)

    Hut ab Ihr Beiden. Wir wünschen Euch weiterhin viel Spass und nicht zu hügelige Strecken. Bis bald

  • #6

    Gabi und Norbert (Mittwoch, 03 Juni 2020 19:35)

    Hurra, so wie es aussieht, ist die Strecke geschafft. Ihr hattet wirklich Glück mit dem Wetter und Euer Hinterteil hat nun endlich die Form vom Sattel - Ihr könntet also beruhigt weiter radeln, denn es tut nicht mehr so weh … Liebe Grüße Gabi und Norbert

  • #7

    Michael (Montag, 08 Juni 2020 19:37)

    Tolle Sache, möchte ich auch machen wenn ich Rentner bin!
    Gruss

  • #8

    Susanne und Egon (Sonntag, 28 Juni 2020 22:47)

    Tolle Bilder, tolle Texte , toller Blog ! ! Und sehr schön, dass ihr bei uns vorbeigekommen seid ! Viel Spaß noch für den Letzten Abschnitt eurer Reise!

  • #9

    Michael (Freitag, 03 Juli 2020 11:21)

    Ich bin immer an euerem Hinterrad! Schade dass wir bald wieder in Ruhpolding sind.

  • #10

    Volker und Elli (Sonntag, 12 Juli 2020 21:04)

    Das war eine grossartige Radtour, vor allem die Fahrt von Emden nach Ruhpolding.
    Hat uns mächtig inspiriert�
    Viel Spass daheim und auf Euren kommenden Abenteuern!��