Mit dem Fahrrad von Ruhpolding nach Emden

Unsere Reisepläne in 2020 wurden durch die Covid-19 Krise ganz schön durcheinander gebracht. Nachdem wir Mitte März schon eine Woche in Emden verbracht haben, um unsere Noè startklar zu machen, sind wir dann wegen der zu erwartenden Sperren wieder nach Hause gefahren.
Jetzt, Mitte Mai, wagen wir einen zweiten Anlauf. Da die meisten europäischen Länder weiterhin für Urlaubsreisen gesperrt sind, bleiben wir erstmals in Deutschland und radeln von Ruhpolding zu unserem Boot nach Emden. Innerhalb Deutschlands treten erste Lockerungen der Ausgangsbeschränkung in Kraft. Restaurants und Campingplätze öffnen wieder. Leider ist die Lage der Restriktionen etwas unübersichtlich, da jedes Bundesland je nach Betroffenheit und Anzahl von Infektionen eine andere Regelung hat. Wir denken, dass wir um den 10.06.2020 in Emden ankommen werden.

In den letzten Tagen haben wir unsere alten Mountainbikes auf Vordermann gebracht. Ausgerüstet mit neuen Reifen, Licht und Bremsen sollte einer sicheren Reise nichts mehr im Weg stehen. In vier Gepäcktaschen haben wir genug Platz um die gesamte Ausrüstung zu verstauen. Wir haben fast die gleiche Ausrüstung dabei wie auf dem Te Araroa.


Unsere Radtour quer durch Deutschland zeichnen wir mit einem Spot Gen 3 auf und übertragen es auf die Karte links. Die Daten werden etwa 30 Minuten zeitversetzt angezeigt. Startpunkt ist Ruhpolding und unser Ziel soll in Emden sein.



1. Tag:
Wir lassen es am ersten Tag gemütlich angehen und starten um 9:00 Uhr mit unserer ersten Etappe Richtung Emden. Das erste Teilstück soll uns 50 km entlang des Traun-Alz Radweges nach Norden führen. Da wir keine begeisterten Bergradler sind, erhoffen wir uns entlang der Traun ein flaches und gemütliches Einradeln. Und um wirklich keinen Stress aufkommen zu lassen machen wir in Siegsdorf nach 10 km bei der Bäckerei Schuhbeck unsere erste Pause. Eine Butterbreze mit Cappuccino können wir hier schon gut vertragen. Weiter geht es an Traunstein und Traunreuth vorbei immer entlang der Traun. Das Wetter ist hervorragend. Nach 50 km zweigen wir in Oberschroffen ab auf den Alz-Inn Radweg. Wenige Meter nach der Abzweigung liegt linker Hand versteckt im Wald eine geologische Sehenswürdigkeit: Windorgeln, die bei starkem Sturm pfeifen sollen. Da es heute windstill ist, können wir das nur glauben, denn zu hören ist nichts außer dem zwitschern der Vögel im umliegenden Wald. Bald danach erreichen wir Altötting, das wir auf dem Isental Radweg Richtung Norden verlassen. Nach etwa 12 km biegen wir links ab Richtung Niedertaufkirchen, um dann nach etwa 9 km über die Schweppermanntour Richtung Sankt Veit zu fahren. Da es inzwischen schon nach 19 Uhr ist suchen wir uns vor Sankt Veit in einem kleinen Wald einen ruhigen Platz für die Nacht. Nach etwa 90 km erklären wir den Tag für beendet.


2. Tag:
Mit lautem Vogelgezwitscher werden wir bei Sonnenaufgang geweckt. Nach einigen Tassen Tee und Müsli schieben wir das bepackte Rad zurück auf die Straße und radeln angenehm bergab nach Sankt Veit. Bei etwas bewölktem Wetter geht es ab jetzt weiter auf dem Vils-Rott Radweg Richtung Vilsbiburg und anschließend nach Lanshut. Da es gerade Mittag ist, gönnen wir uns in Landshut in der Fußgängerzone eine längere Pause. Dazu stellen wir fest, dass unsere Beine schon ganz schön schwer sind. Für den Anfang war die erste Etappe gestern wohl doch etwas zu lang. Mit Cappuccino und einer Brotzeit gestärkt radeln wir auf dem Isar Laber Radweg in Richtung Rottenburg an der Laber. Leider ist das Terrain nun etwas hügelig, was unsere Beine nur noch schwerer macht. In Rottenburg füllen wir erst mal unsere Essensvorräte auf. Allzu weit kommen wir heute sicherlich nicht mehr - jeden Tag Radfahren strengt ganz schön an. Hinter Rottenburg zweigen wir auf den Laber-Abends Radweg ab, und fahren diesen doch noch bis kurz vor Abendsberg. In einem Wald finden wir eine schön gelegene Bank für eine längere Pause. Da wir aber nach heute wiederum 90 km schon richtig platt sind, beschließen wir uns in dem Wald gleich noch ein Nachtlager zu suchen.


3.Tag:
Die Nacht verläuft für mich nicht so toll. Mit Durchfall und Übelkeit muss ich das Zelt in der Nacht einige Male verlassen. Ob das von der Anstrengung kommt, oder von den chinesischen Instantnudeln mit Entengeschmack vom Vortag weiß ich nicht. Ich schiebe das ganze mal auf die Nudeln, und beschließe mich wieder anständig, gesund und lokal zu ernähren. Schon morgens fühlen wir uns beide durch die zwei langen Radtage etwas gerädert und haben irgendwie keine Lust darauf ständig bergauf - bergab  zu radeln. Als wir dann in unserem Planungstool den Radweg entlang der Altmühl entdecken, wird unser Plan von „Quer durch Deutschland nach Emden“ auf „gemütlich entlang von Flüssen nach Emden“ kurzfristig geändert. Dadurch radeln wir erstmal meist bergab nach Kehlheim an die Donau. In Kehlheim mündet die Altmühl, bzw. das was durch den Main-Donau-Kanal noch zu sehen ist, in die Donau. Da wir nach dem frühen Start schon hungrig sind landen wir in Kehlheim am frühen Vormittag in einem Biergarten bei lokalen Bratwürsten mit Kraut. So lässt sich der neue Plan erst mal gut starten. Sauerkraut soll doch gut für Magen und Darm sein!
Der Radweg entlang der Altmühl ist gut ausgeschildert. Wir folgen also dem Main-Donau Kanal zuerst bis Riedenburg. Dabei passieren wir die Kletterfelsen von Prunn, an denen heute kaum Kletterer zu sehen sind. Früher waren wir hier öfter klettern und haben fürs Gebirge trainiert. Das Klettergebiet scheint gerade nicht beliebt zu sein. Nach einer Kaffeepause radeln wir gemütlich weiter bis Beilngries, wo sich der Kanal nach Norden verabschiedet. Für uns geht es weiter entlang der Altmühl bis wir dann in Kinding unter der A9 hindurchfahren. Da das Tal hier ziemlich eng ist, gibt es kaum Optionen irgendwo zu zelten. Als es dann schon langsam Abend wird, radeln wir kurz vor Gungolding an einer Anlegestelle für Kanus durch einen Stellplatz für Wohnmobile. Am Fluss steht ein Zelt in der Wiese neben einer Feuerstelle. Kurz entschlossen stellen wir unser Zelt dazu, denn bald wird es eh dunkel, und genug geradelt sind wir heute auch. Wieder liegen 90 km hinter uns.


4. Tag:
Gut erholt starten wir am frühen Morgen Richtung Eichstätt. Heute Morgen ist es frisch, sodass sich etwas Nebel über der Altmühl bildet. Auf den etwa 20 km bis Eichstätt wird es uns aber dann aber doch warm. Am Dom hat gerade das italienische Kaffee geöffnet. Als erste Gäste des Tages lassen wir uns ein Stück frische Erdbeertorte mit Cappuccino in der Sonne schmecken. So kann der Tag beginnen! Als nächstes suchen wir ein Sportgeschäft, in dem ich mir ein langärmliges Merinoshirt kaufen will, da mein mitgenommenes Shirt am Vortag verschwunden ist. Da wir gerade eh da sind, nötigt Christine die freundliche Verkäuferin mir auch noch eine Radlhose zu verkaufen. Meine lange Hose war mir viel zu warm.Voll bepackt mit all den neuen Sachen fahren wir weiter über Dollnstein nach Papenheim, um dem verwegenen General Graf zu Pappenheim und seinen Pappenheimern unsere, zumindest fiktive, Aufwartung zu machen. Seine Berühmtheit erlangte der Graf im 30-jährigen Krieg  und in der Erwähnung in Schillers Wallensteins Tod. Kurz vor Treuchtlingen weitet sich das Tal der Altmühl. Der Weg bleibt weiter angenehm flach zum Radeln. Etwas abseits der Route kehren wir am frühen Nachmittag in Wettelstein ein, um eine weitere Portion lokaler Bratwürste mit Sauerkraut zu genießen. Nach etwa 70 km lassen wir den Tag hier ausklingen.


5. Tag:
Ruhetag! Nachdem der Wetterbericht schlechtes Wetter mit Gewitter, Sturmböen und Starkregen ab Mittag verkündet, beschliessen wir einen Ruhetag einzulegen. Wir haben den ganzen Tag nur gefaulenzt.

6. Tag:
Weiter gehts entlang der Altmühl. Heute wollen wir bis zur Quelle radeln und uns dann vor Rothenburg ob der Tauber einen Schlafplatz suchen. Die Altmühl ist hier nur noch ein schmaler Bach, und das am Unterlauf steile Tal hat sich in ein weites, leicht hügeliges Terrain verändert. Der Radweg ist jetzt durchgehend asphaltiert. Zwischen der Hornauer Mühle und dem dahinterliegenden Weiher zeigt eine Inschrift auf einem Stein den Ursprung der Altmühl an. 

Tag 7:
Wir starten am frühen Morgen mit einer Abfahrt in das 5km entfernte Rothenburg ob der Tauber. Da in der letzten Nacht eine Isomatte geplatzt ist, müssen wir uns in Rothenburg ein Sportgeschäft suchen und eine Ersatzmatte beschaffen. Da wir schon um 8 Uhr in der Innenstadt sind, machen wir erst mal eine Stadtbesichtigung. Hier sind viele toll renovierte alte Gebäude zu bewundern und jede Menge Fachwerkhäuser. Wir sind bedingt durch die fehlenden ausländischen Gäste fast die einzigen Touristen. Nachdem die neue Matte ihren Platz im Gepäck gefunden hat, fahren wir weiter von der Altstadt hinunter zur Tauber. Unser Weiterweg führt uns die Tauber entlang bis zur Mündung in den Main. Wir schaffen es bis kurz hinter Tauberbischofsheim und beenden da unseren Radltag.

8. Tag
Am morgen geht es zunächst entlang des gut ausgebauten Tauber Radweg in das 20km entfernte Wertheim an Main. Hier ist der Tauber Radweg zu Ende, und wir biegen nach rechts flussaufwärts in den Main Radweg ein. Bevor es aber weitergeht genehmigen wir uns ein reichhaltiges Frühstück in einem Cafe am Marktplatz. Am späten Vormittag starten wir dann Main aufwärts auf dem ebenfalls gut ausgebauten Radweg Richtung Würzburg. Wir schaffen es heute tatsächlich noch bis Gmünden am Main, und biegen dort ab zum Radweg D9, der vom Main weg entlang des Flusses Sinn nach Norden führt. In Gmünden füllen wir dann erst mal unsere Vorräte wieder auf. Kurz nach Gmünden entdecken wir einen kleinen Fischweiher, mit Sitzbank und Tisch zum Kochen und einer schönen Wiese für unser Zelt.

9.Tag
In der Früh ist es schattig und empfindlich kalt. Wir ziehen beim Start gerne unsere dicke Daunenjacke, Mütze und Handschuhe an. Nachdem das nasse Zelt verstaut ist, starten wir ohne Frühstück, das wir später in der Sonne nachholen. Der Fluss Sinn ist ein schmaler Fluss und windet sich durch ein enges Tal. Der R1 Radweg verlässt bei Kothen das Sinntal um über einen recht steilen Weg zumQuellgebiet der Fulda zu gelangen. Nach etwa 10 km bergauf-bergab sind wir schliesslich an dem Fluss Fulda, an dem entlang wir heute noch bis zur Stadt Fulda radeln. Heute ist Bergfest sowohl an Höhe wie in der Distanz auf unserer Radtour nach Emden. Da in Hessen die Unterkünfte schon offen haben, leisten wir uns zur Feier des Tages ein Zimmer im Hotel zum Ritter in Fulda. 

10. Tag
Am frühen Morgen genießen wir erst mal das leere Fulda. Nachdem Christine noch ein paar Fotos von den Sehenswürdigkeiten wie Dom und Schloss gemacht hat rollen wir hinunter zur Fulda und biegen Richtung Norden in den Fuldaradweg ein. Es ist wolkenloses Wetter mit einem leider strammen und kalten Nordwind. Der Radweg führt an den meisten Dörfern am Weg vorbei, so dass wir immer wieder einen Abstecher in ein Dorf machen. Wir wollen nicht nur die Natur geniessen, sondern auch sehen, wie die Leute hier so wohnen. Am frühen Nachmittag gelangen wir nach Rothenburg an der Fulda, das zwar wesentlich kleiner ist als das berühmte an der Tauber. Es kann aber auch mit jeder Menge Fachwerkhäuser aufwarten. 12km weiter im Norden  in Morschen entdecken wir eine Unterkunft mit dem Namen Märchenschmiede. Der Name ist hier Programm. Bei der Ankunft empfangen uns die Wirtsleute sehr herzlich und geben uns das Zimmer Froschkönig. Auch die Ausstattung des Zimmers passt zum Märchen. Jedes Zimmer in diesem Gasthof ist nach einem anderen Märchen benannt und dementsprechend ausgestattet. Da gerade noch vier Fahrradfahrer vor Ort sind, öffnet der Wirt den kleinen Biergarten. Das hat sich im Ort herumgesprochen und bald gesellen sich einige Stammgäste vom Ort hinzu. Zur Feier des Tages und zur Wiedereröffnung nach Corona wirft der Wirt gleich mal eine Runde Schnaps, der dann noch weiter Runden folgen - bis die Flasche leer ist. Nach diesem sehr geselligen Abend kommen wir spät und etwas wankend ins Bett.

11. und 12. Tag
Am Morgen kommen wir nach der guten Zeche vom letzten Abend etwas schwer aus dem Betten. Nach einem sehr leckeren Frühstück geht es weiter Richtung Norden. Kurz hinter Kassel in Altmünden fliesst die Werra in die Fulda. Beide bilden jetzt zusammen die Weser. Wir radeln noch weiter bis Veckerhagen und finden dann auf einer abgemähten Wiese einen Platz für die Nacht. Am nächsten Morgen starten wir wieder sehr früh. Es ist noch empfindlich kalt. In Bad Karlshafen genehmigen wir uns erstmal in einem Cafe ein leckeres Frühstück.

13. Tag
Die letzte Nacht haben wir wegen Mangel an Unterkünften im Wald in der Nähe der Externsteine gezeltet. Im Wald wird das Zelt in der Nacht nicht feucht, und es ist auch wärmer als auf dem freien Feld. Als erstes radeln wir am Morgen in wenigen Minuten zu den Externsteinen. Die Steine sind eine etwa 30m hohe Felsgruppe , die für uns etwas unerwartet hier im Teuteburger Wald stehen. Es gibt einige Sagen und Erzählungen um die Geschichte und den Ursprung der Steine. Auf gut ausgebauten Treppen kann man die Türme auch besteigen. Von den Steinen geht es mit dem Rad weiter durch bewaldetes Gelände auf meist ungeteerten Wegen zur Quelle der Ems. Wir verlassen kurz vor der Quelle den R1 Radweg und folgen jetzt dem Emsradweg. Wir planen den Emsradweg bis nach Emden zu fahren. Etwa 40km nach der Quelle, in Wiedenbrück an der Ems, nehmen wir uns eine Unterkunft für die Nacht.

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Kommentare: 5
  • #1

    Rita (Donnerstag, 21 Mai 2020 07:29)

    Ich finde die Idee super schön, ich hoffe alles läuft wie geplant, ihr habt schönes Wetter, euch noch gute Fahrt und gutes Ankommen. �

  • #2

    Gabi und Norbert (Donnerstag, 21 Mai 2020 21:07)

    Servus Ihr zwei, wir wünschen Euch - immer gutes Radlwetter, immer genug Luft im Reifen und einen immer weichen Sattel. Alles Gute von Gabi und Norbert

  • #3

    Marc (Freitag, 22 Mai 2020 17:57)

    Thomas, Respekt vor der Leistung und der Energie. Wünsch euch gutes Wetter, viele neue Eindrücke, neues am Rande, und bleibt vor allem gesund

  • #4

    Rita (Samstag, 23 Mai 2020 16:36)

    Wunderschöne Bilder �..... Toll, dass ihr uns teilnehmen lässt bei so große fahrradtour.... Und Tom, iss lieber keine chinesischen Nudeln mehr damit ihr gesund und munter das Ziel erreicht ��

  • #5

    Dietmar und Petra (Montag, 25 Mai 2020 10:34)

    Hut ab Ihr Beiden. Wir wünschen Euch weiterhin viel Spass und nicht zu hügelige Strecken. Bis bald