Segeln und Klettern in Norwegen 2020

Nachdem unsere Fahrt nach Spanien im Frühjahr durch die Covid-19 Pandemie ausgebremst wurde, haben wir umgeplant und werden zum zweiten Mal nach Norwegen segeln. Norwegen hat seit dem 15. Juli seine Grenzen für Touristen wieder geöffnet. Der Plan ist in 2020 bis Molde zu kommen, um dann im kommenden Winter wieder Skitouren in Norwegen vom Boot aus zu unternehmen. Unser Segelboot Noe wurde die letzten Wochen in der Werft in Emden komplett durchgetestet und einige Teile wurden erneuert. Unsere Kletterausrüstung, die Tourenskier und die Mountainbikes sind an Bord. Auf zum neuen Abenteuer!

Update 01.11.2020: In Bodø treffen wir Phil und Marion mit ihrem Expeditionssegelboot Qilak, die uns überzeugen wegen der Wale nach Tromsø weiter zu segeln - wir sind unterwegs.

update 23.11.2020: Wir liegen zur Zeit sicher in Hamnnes, südlich von Skjervøy, am 70. Breitengrad. Die ersten Winterstürme sind über uns hinweg gezogen und der erste Schnee hat die Landschaft in ein weisses Kleid gehüllt. Wir haben viele Wale rund um Skjervøy beobachten können.

Unsere Segelroute nach Norwegen zeichnen wir mit einem Spot Gen 3 auf und übertragen es auf die Karte links. Die Daten werden etwa 30 Minuten zeitversetzt angezeigt. Startpunkt ist Emden und unser Ziel soll in Molde sein. Den Sender wird im Cockpit am Boot befestigt. So bald wir mit Noe losfahren wird er eingeschalten und sendet.

Wenn man auf der Karte links einzoomt sind Details der Routenführung erkennbar.



Segelboot Noe im Hafen von Bergen Norwegen
Noe am Kai von Bergen

26.07.2020 Von Emden über Helgoland nach Sylt

Wir sind bereits seit ein paar Tagen unterwegs und stecken gerade bei starkem Wind in Hörnum auf Sylt fest. Unser Start am 22.07. in Emden war mit einigen Hindernissen versehen: die letzten Reparaturen waren nicht wie versprochen fertig, und unser EPIRB Notsender ist vom Service bisher nicht eingetroffen. Nach Beseitigung der letzten Mängel fahren wir ohne EPIRB los. Wegen einer starken Böe berühre ich beim Ausfahren aus der Werft ein Nachbarboot, doch die Begutachtung der Werft ergeben, dass der Schaden gering ist und wir können losfahren. Durch die Nesserland Seeschleuse und die Ems kommen wir am frühen Nachmittag nach 25 Seemeilen auf der Insel Borkum an. Der erste Tag ist geschafft. Die Handgriffe auf dem Boot sitzen zwar noch nicht so richtig, aber wir haben ja noch einige Wochen vor uns, in denen wir schon wieder Übung im Umgang mit der Noe bekommen werden.

Am nächsten Morgen geht es dann weiter durch das Watt über einen mit Pricken makiertem Kanal Richtung Juist und weiter nach Norderney. Diese Route kann man nur zwei Stunden vor und nach Hochwasser befahren, da sonst der Wasserstand zu niedrig ist, oder das Watt trocken fällt. Die Marina in Norderney ist voll, so dass wir die Noe an einem Boot am Hafenkai festmachen.

Beim Start in Richtung Helgoland müssen wir wieder die Tide beachten und fahren so um 7:00 mit ablaufendem Strom auf die Nordsee hinaus. Wir segeln nordseitig entlang von Norderney und Langeoog. Nördlich von uns befindet sich das Verkehrstrennungsgebiet für Bremerhafen und Hamburg, das wir nicht befahren dürfen. Nach 20 sm haben wir das Ende des Verkehrstrennungsgebits erreicht und ändern den Kurs nach NNO Richtung Helgoland. Die letzen Seemeilen nach Helgoland müssen wir mit dem Motor fahren. Wir legen uns im Päckchen mit anderen Booten an den Ostkaje und gehen gleich mal los um die Insel zu erkunden.

Nachdem wir die Touristenmassen im Hafengelände hinter uns gelassen haben wandern wir zu den Felsenklippen im Oberland. Ein Rundweg führt hier entlang der Klippen, wo wir viele Basstölpel beim Brüten, Fliegen und Füttern beobachten können.

Als wir zur Noe zurückkommen treffen wir unseren Freund Rainer, den wir in Shetland kennen gelernt haben und der jetzt mit seinem Segelboot Ahoi und einigen Gästen an unserem Boot festgemacht hat. Wir beschliessen am nächsten Morgen zusammen nach Hörnum auf Sylt zu segeln. Dort warten wir auf einen günstigen Wind um weiter nach Norden zu kommen. Der aktuelle Wetterbericht zeigt uns am Donnerstag ein Fenster für die nächste Etappe.


31.07.2020 Norwegen wir kommen - entlang der dänischen Westküste und von Thyborön nach Norwegen

Die Wettervorhersage stimmt: nach einigen Tagen Starkwind beruhigt sich am 30.07.das Wetter und wir laufen in Hörnum aus um weiter nach Norden Richtung Norwegen zu kommen. Zunächst müssen wir aber noch auf die richtige Tide warten, um nicht im Gezeitenstrom gegenan fahren zu müssen. Um 09:30 kommen wir los. Wir fahren zuerst nach Süden entlang der Betonnung um die Südspitze Sylts herum bis zum Holtknolbsloch. Dort gelangen wir zurück zur Nordsee, wo wir auf Kurs Nord gehen. Die Wellen sind anfangs noch etwas hoch vom Sturm der letzten Tage, doch der Wind aus West mit 20kn trägt uns schnell an der Westküste Sylts entlang Richtung Dänemark. Wir haben geplant heute bis Esbjerg zu kommen.

Etwa um 18:00 sind wir auf der Höhe von Esbjerg. Da der Wind immer noch angenehm mit etwa 15kn aus West bläst, und das Wetter schön bleibt, entschliessen wir uns weiter zu segeln und Esbjerg rechts liegen zu lassen. Auf dem Weg entlang der dänischen Küste kommen im Abstand von ja 30sm die Orte Hvide Sande und Thorsminde, wo wir immer noch Stopps einlegen können. Vor der Landspitze Ringköping müssen wir erst mal den Motor dazu schalten, da es jetzt Richtung Nordwesten geht. Wir weichen hier so einigen Untiefen aus. Schliesslich segeln wir die ganze Nacht durch, passieren die genannten Orte und sind um 8:00 in der Früh an der Einfahrt nach Thyborön. Wir fahren hier in den Hafen ein, um eine Pause einzulegen. Als wir in dem grossen Hafen in den Bereich der Sportboote kommen verlässt gerade das letzte Segelboot den Hafen. Wir sind das einzige Sportboot und suchen uns den schönsten und bequemsten Platz an der Nordmole heraus. Nach einem ausgiebigen Frühstück gehen wir erst mal in die Koje, um etwas Schlaf nachzuholen. Auf unserer Nachtfahrt war ausser Ausguck zu halten wenig zu tun, trotzdem sind wir wegen der vielen Geräusche und der städigen Schiffsbewegung kaum zum Schlafen gekommen.

Als wir Mittags wieder aus dem Boot schauen, ist der Hafen gut gefüllt. Es ist ja auch Freitag Abend und die Locals nützen das schöne Wetter zu einem Ausflug mit dem Boot. In Thyborön ist ein Flohmarkt und ein Street Food Festival für das Wochenende geplant. Wegen Corona und der zu erwartenden Menschenansammlung weichen wir solchen Veranstaltungen eher aus. Die Wettervorhersage ist für Morgen gut für eine Überfahrt nach Norwegen: Wind aus Südost, 10-20kn, in der Früh schwach, am Nachmittag zunehmend. Kurz vor Sonnenuntergang legt ein dänischer Segler bei uns an. Er bleibt auch noch liegen, als wir ihm sagen, dass wir morgen um 5:00 starten wollen.

Der frühe Start hat sich gelohnt. Bei Sonnenaufgang haben wir schon 10 sm der 90sm bis Norwegen zurückgelegt. Das Wetter verhält sich wie in der Vorhersage. Wir rauschen die letzten 20 sm mit teilweise über 9 kn unserem Ziel entgegen. Am Ziel in Båly erwarten uns Marlene und Bert mit ihrem Segelboot Heimkehr. Beide sind schon fast zwei Wochen in Norwegen und wir haben das Treffen mit ihnen vorher vereinbart. Der Empfang könnte schöner nicht sein: Bert kommt uns mit dem Dingi entgegen und bringt zu unserem Anlegeplatz an der Heimkehr. Marlene hat inzwischen den Begrüssungstrunk vorbereitet. Als das Boot vertaut und sicher liegt, stossen wir auf das Wiedersehen und die gemeinsamen Tage hier an. So kann Norwegen beginnen...


01.08.2020 Die ersten Tage in Norwegen - Trans-Ocean Treffen in Båly mit der Heimkehr

Wir verbringen einige Tage in Båly mit Marlene und Bert. Später kommen auch noch Joachim und Ingo mit ihrem Segelboot dazu, so dass wir bald mit drei Segelbooten hier liegen. Da Lindesnes nur etwa 10km Richtung Süden liegt fahren wir mit unseren Rädern dorthin. Das Kap Lindesnes ist der südlichste Punkt Norwegens. Ein historischer Leuchtturm weist seit vielen Jahren der Schifffahrt den Weg ums Kap. Auf dem Rückweg fällt uns eine schöne Felswand nördlich von Båly auf, die wir erkunden. Und tatsächlich: wir finden zwei gebohrte Touren in der steilen Platte. Schnell zurück zum Boot, die Kletterausrüstung gepackt, und zurück zur Wand. Beide Touren entpuppen sich als nicht allzu schwer, wenig geputzt und vielleicht im 5. Schwierigkeitsgrad. Immerhin, die ersten Klettermeter in Norwegen sind vollbracht.

 

Viel zu schnell vergehen die schönen und sehr unterhaltsamen Tage mit den beiden Crews. Marlene und Bert wollen Richtung Oslo. Joachim und Ingo Richtung Norden. Wir fahren am 7.8.20 um das Kap Lindesnes herum auch Richtung Norden.

 


06.08.2020 Von Båly nach Kirkehamn - Kap Lindesnes und Lista

Unser nächster Stopp ist knapp hinter Lista in Kerkehamn. Im geschützte Naturhafen legen wir am Gemeidesteg an. Hier ist das Liegen frei. Die anderen Liegemöglichkeiten in der Bucht erscheinen uns für Noe zu klein. Da wir schon kurz nach Mittag da sind, wandern wir noch auf den Hågåsen, der direkt über dem Ort liegt. Auf dem Berg befand sich im 2. Weltkrieg eine von vielen deutschen Stellungen entlang der norwegischen Westküste. Heute ist die verfallene Anlage ein Museum. Der Ausblick vom Berg ist atemberaubend schön! Unten liegt Kirkehamn mit seiner zentralen Kirche und Richtung Westen zieht sich die felsige Küste Richtung Farsund.

 


07.08.2020 Von Kirkehamn nach Skudeneshavn

 

Die nächsten beiden Tage segeln wir mit gutem Südostwind mit unserem Parasailor Segel nach Tananger und dann am nächsten Tag weiter nach Skudeneshavn auf der Insel Karmøy, wo wir Joachim und Ingo wieder treffen. Skudeneshavn hat viele alte Häuser und ist ein historischer Fischereihafen. Im sehr interessanten und liebevoll gepflegten Museum informieren wir uns über das Leben im Ort der vergangenen 150 Jahre. In den nächsten Tagen herrscht Sommerwetter mit bis zu 30 Grad – sehr ungewöhnlich für Norwegen.


13.08.2020 Inder Inselwelt östlich von Stavanger - mit Wanderung auf den Preikestolen

Wir segeln weiter nach Jørpeland. Nachdem bedingt durch die Corona Krise sehr wenig Touristen in Norwegen sind, wollen wir auch mal wieder auf den Preikestolen gehen. Nach unserer Ankunft am frühen Nachmittag radeln wir 10 km und 350 Hm zum Parkplatz nahe der Preikestolenhytta und wandern von dort in 90 min zum berühmtesten Aussichtspunkt Norwegens. Von Coronakrise ist hier nicht viel zu spüren: hunderte von Touristen, anstehen für das beste Fotomotiv und andauernder Hubschrauberlärm lassen uns nur erahnen, wie voll es hier wohl in einer normalen Saison wird. Wir verziehen uns schnell auf einen Felsabsatz über der Plattform und geniessen allein die Aussicht und unsere mitgebrachte Brotzeit. Auf der Weiterfahrt Richtung Haugesund stoppen wir eine Nacht in Bukkøya, wo wir unsere erste Kayaktour mit unserem neuen Kayak unternehmen. Unser Epirb, den uns die Werft aus Deutschland zusendet, hat nach fast 14 Tage Laufzeit Haugesund noch nicht erreicht, so dass wir uns mit der Weiterfahrt Zeit lassen und auf dem Weg dorthin noch die ein oder andere Insel besuchen.


17.08.2020 Inseln rund um Haugesund - Utsira und Feøy

In Haugesund sind am Anlegesteg kaum Boote. Die Ferien in Norwegen sind vorbei, und für Ausländer kommt die Grenzöffnung zu spät im Jahr. Wir legen uns vor das Scandic Maritim Hotel, südlich der Brücke. Der Platz ist gut geschützt. Da es hier keine Schwimmstege gibt, müssen wir bei der Länge der Festmacheleinen die Tide mit beachten. Zwar ist die Tide mit 50cm sehr gering, aber bei unserem ersten Besuch in Haugesund hatte sich doch tatsächlich ein Boot an seinen Leinen aufgehängt. Als erstes besuchen wir das Post Office, um nach unserer EPIRB zu schauen. Der letzte Eintrag im Tracker ist 5 Tage alt, und berichtet, dass unser Paket Norwegen erreicht hat. Doch das Paket ist nicht da. Die beim Posten können uns auch nicht weiterhelfen. Nun gut, wir müssen hier wohl in der Gegend ein paar Tage verbringen. Westlich von Haugesund sind uns zwei Inseln aufgefallen, die wir besuchen wollen: Utsira und Feøy.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf die 15sm Richtung Utsira. Dicker Nebel erschwert die Sicht, und lässt uns sehr vorsichtig durch die Schären aus dem Hafen von Haugesund fahren. Doch bald kommt etwas Wind auf, und mit 4kn Fahrt durchs Wasser segeln wir in Richtung Utsira. Als wir dort ankommen, herrscht immer noch dichter Nebel. Im Hafen liegen zwei Segelboote aus Haugesund. Die Eigentümer haben das Wochenende zu einem Kurztrip genutzt. Hafengebühr wird keine erhoben, außer für Strom. Auf ut.no entdecken wir zwei Rundwanderungen auf der Insel: eine Wanderung unternehmen wir im Nebel, die andere am späten Nachmittag bei herrlichem Sonnenschein. Der Nebel hat sich am frühen Nachmittag komplett verzogen. An vielen Gebäuden auf der Insel sind schöne Bilder von Street Art Künstlern zu bewundern. Auf unserer Wanderung kommen wir auch an der Wetter Station der Insel vorbei. 50cm Schnee und -15Grad waren die Extremwerte auf der Insel – in den letzten 100 Jahren.

 

Auch in Feøy sind wir die einzigen Besucher. Am Hafen das übliche: ein Lebensmittelladen, eine Tankstelle, ein paar Fischerboot, ansonsten viel Idylle und Ruhe. Wieder finden wir eine Rundwanderung über den höchsten Berg und entlang der felsigen Küste.

 


20.08.2020 Von Haugesund nach Bergen

Zurück in Haugesund gibt es immer noch keine Neuigkeiten über unser Paket. Der Tracker berichtet seit Tagen, dass es beim Zoll liegt. Auf der Poststation bekommen wir auch nicht mehr Informationen. Inzwischen ist das Paket fast drei Wochen unterwegs. Wir beschließen weiter nach Bergen zu fahren, da wir dorthin einige Briefe weitergeleitet haben, die uns wichtig sind. Der Himmel ist wolkenlos, aber leider gibt es keinen Wind, um zu segeln. So Motoren wir die ersten 10sm Richtung Norden. Plötzlich kommt doch Wind auf, schnell sind das Grosssegel und die Genua oben, und mit 7kn segeln wir auf der freien Nordsee Richtung Norden. Doch nach einer Stunde wird es fast wieder windstill und wir fahren unter Motor Richtung Skjeret in die Schären ein und machen dort unser Boot für die Nacht fest.

Auch am nächsten Morgen gibt es wieder keinen Wind, so dass wir die restliche Strecke bis Bergen zwischen den Schären meist mit dem Motor zurücklegen. In Bergen führt uns der erste Weg zum Postoffice – unsere Briefe sind da. Nur über den Verbleib des Pakets mit dem EPIRB weiß hier auch niemand Bescheid. Ich rufe die Hotline von Posten (so heißt die Post in Norwegen) an. Ein freundlicher Herr erklärt mir, dass der Zoll mehr Informationen über den Inhalt des Pakets braucht. Ich sende der Posten ein mail, auch mit dem Hinweis, das Paket gleich nach Florø zu senden, da wir nicht wieder nach Haugesund zurückkehren – ob das funktioniert? Fortsetzung folgt…

 

Das Wetter soll die nächsten Tage sehr stürmisch werden. Nach einer schönen Rundwanderung über Bergen auf den Fløya verholen wir das Boot vom Stadthafen in Bergen in den kleinen und geschützten Hafen von Strusshamn. Strusshamn war früher der Hafen für die Quarantäne von Bergen – in Zeiten von Corona fühlen wir uns hier wohl.

 


26.08.2020 Segeln und Klettern zum/im Klettergebiet Atlantis und Uteveggen

In Bergen unweit vom Hafen gibt es einen Bergsportladen, in dem wir einen Kletterführer des Kletterclubs Bergen, für die Inselwelt um Bergen, gekauft haben. In Richtung Norden finden wir darin zwei Klettergebiete, die wir erkunden wollen. Zuerst segeln wir nach Vikavågen. Der Hafen ist in unserem Havneguiden 3 nicht enthalten, aber in Google Maps entdecken wir einen Steg zum Anlegen. Im Hafen gibt es dann doch einen Gästesteg mit Strom und Wasser für 100 NOK die Nacht – was will man mehr. Wir legen eigentlich bevorzugt an einem Steg an und Ankern sehr selten, da wir immer mit unseren Rädern die Gegend um den Hafen erkunden wollen. Kurz nach der Ankunft regnet es, so dass wir den geplanten Kletterausflug auf Morgen verschieben. Bei sonnigem Wetter radeln wir dann am nächsten Tag die 4 km bis zu einem Steig, der ins Klettergebiet mit dem Namen Atlantis führt. Das Klettergebiet liegt direkt am Meer. Hier gibt es 10 Kletterrouten, die wir alle begehen. Die Wandhöhe beträgt 15 m, die Touren sind mit Bohrhaken versehen und die Abseilstellen mit je zwei Bohrhaken ausgerüstet – besser geht’s nicht! Auch die Kletterschwierigkeiten entsprechen unserem jetzt eher untrainierten Kletterkönnen.

Für den nächsten Tag haben wir uns mit Uteveggen ein weiteres Klettergebiet herausgesucht. Dazu müssen wir aber erst einmal 10 sm Richtung Norden nach Blomvågen segeln. Kurz vor Blomvågen geht es etwas gewunden entlang eines malerischen Kanals bis in die schön und sehr geschützt gelegene Bucht von Blomvågen. Direkt vor einem verlassenen Hotel sind zwei Schwimmstege zum Anlegen. Schnell die Räder heraus aus der Backskiste und wieder geht es mit dem Rad zu den Felsen. Uteveggen bietet zwar ca. 50 Kletterrouten, die meisten Routen sind aber sehr kurz und scheinen uns nicht sehr lohnend. Wir picken uns die besten 10 der etwa 15 m langen Routen im ersten Sektor heraus. Der Fels ist senkrecht, und die Wand ist mit vielen waagrechten Leisten durchzogen, die dann auch die kletterbare Route vorgeben. Die Absicherung der Routen ist auch wieder ideal.

 


29.08.2020 Blomvågen - Fedje - Hardbakke - Askvoll

Laut Wetterbericht soll es die nächsten Tage ein Mix zwischen Nordwind und keinem Wind geben. Zuerst fahren wir unter Motor aus dem Inselgewirr von Blomvågen wieder zurück nach Osten in den Sund, wo wir gestern hergekommen sind und biegen dann nach Norden ab Richtung Fedje. Fedje ist eine dem Festland vorgelagerte Insel auf der wir in www.Ut.no eine interessante Rundwanderung entdeckt haben. Dort wollen wir hin. Zurück im Sund ziehem wir das Großsegel und die Genua auf. Zunächst schleichen wir bei 4kn Wind mit 2,5kn über Grund im Kreuz übers Wasser, wobei uns die Strömung Richtung Norden noch unterstützt. Die Segel hängen etwas lustlos und schlapp am Mast. Aber immerhin - wir segeln. Da wir im Kreuz keine 90Grad schaffen, kommen wir Fedje somit effektiv mit 1,2kn entgegen. Bei einer direkten Streckenlänge von 22sm, wird das wohl ein langer Tag. Doch beim Segeln ändern sich die Verhältnisse oft rasch: um 10Uhr kommt plötzlich wie aus dem Nichts Wind auf, der in kurzer Zeit auf fast 20kn zunimmt. Wir sind sofort hellwach, denn auch das Meer wirft schnell steile und kurze Wellen denn der Wind bläst gegen den Strom. Wir lassen das Großsegel und die Genua oben, um maximale Fahrt zu machen. Aus dem anfänglichen Kaffeesegeln entwickelt sich jetzt doch noch ein sportlicher Segeltag. Am Wind segelnd, kreuzen wir so den Sund im Zick-Zack nach Norden in Richtung Fedje. Wenn man auf dem Tracker reinzoomt, kann man unser Kreuzen gut sehen. Wir machen jetzt bis zu 7kn Fahrt über Grund und legen um 15:00 in Fedje an. Durch das Kreuzen sind aus den direkten 22sm am Ende 32sm geworden. Da das Wetter sehr schön ist, und es bis um 21:00 Uhr hell bleibt, starten wir nach einer Brotzeit noch zu der Wanderung Nordsjøløypa, die quer über die Insel führt.

 

Die nächsten zwei Tage macht der Wind komplett Pause, so dass wir fast die gesamte Strecke von Fedje über Hardbakke nach Askvoll mit Motor zurücklegen. In Hardbakke unternehmen wir eine schöne Wanderung auf den Ravnenipa, der hinter dem Ort thront. Oben werden wir von einer herrlichen Aussicht auf Hardbakke und die umliegende Inselwelt belohnt. Die nächsten Tage ist Starkwind aus Norden angesagt. Wir fahren noch bei windstille bis Askvoll. Der Hafen ist vom Norden durch mehrere Berge und Inseln geschützt. Kaum haben wir angelegt, als schon die ersten Windböjen den kleinen Hafen erreichen.

 


07.09.2020 Stadlandet und das Wetter in Norwegen

Auch der schönste Sommer geht mal zu Ende, was sich meist in der Ankündigung der ersten Herbststürme zeigt. Bisher haben wir extremes Glück mit dem Wetter gehabt: teilweise bis zu 30Grad, viel Sonne und wenig Wind. Dazu ist es auch noch 14 Stunden hell, so dass wir viele Wanderungen, schönes Segeln und einige Klettertouren unternehmen konnten. Die nächste seglerische Herausforderung Richtung Norden liegt vor uns: das Kap Stadlandet. Das Kap ist auch bei der Berufsschifffahrt berüchtigt, und hat schon zu einigen Havarien geführt. Vor einigen Jahren kam auch ein Boot der Hurtigruten mit vielen Passagieren dort in Seenot, wegen Sturm und hoher Wellen. Stadlandet ragt als Kap ca. 10sm in das Nordmeer hinein. Ungehindert donnern hier die Dünungswellen von Westen mit freier Zugbahn bis aus Island auf das Land. Dazu steigt der bis über 1000m tiefe Meeresboden steil an. Auch der Golfstrom prallt hier mit 2kn von Südwesten an die Landzunge. Die ankommenden Wellen werden am Kap reflektiert und laufen zurück. Wenn dann noch Tage davor Sturm herrscht, entsteht ein chaotisches Durcheinander an hohen Wellen. Norwegen hat sogar Pläne entworfen, um einen Tunnel durch das Kap für die Berufsschifffahrt zu bauen. Wir finden in der Wetterkarte nur den 06.09. der für unsere Umrundung geeignet scheint. Schon am 07.09. ab Mittag (Bild unten) gibt es wieder Sturm. Der Küstenfunk hat schon einen Gale-Warnung ausgegeben.

Das Bild unserer Wettersoftware zeigt für den 07.09.ein typisches Sturmbild entlang der norwegischen Küste. Stadlandet ist auf der Karte ungefähr in der Mitte. Der Wind nimmt zum Land hin und in den Fjorden stark ab. Jedoch können auch hier Böen in Sturmstärke auftreten. Dazu kommen in diesem Seegebiet noch jede Menge Kap- und Düseneffekte, die den Wind stark beschleunigen können. Die Umrechnung von Knoten in Km/h gibts hier. 54kn sind ungefähr 100km/h. Vereinfacht dargestellt gibt es in Norwegen zwei Windrichtungen: Süd oder Nord. Der Südwind bringt oft Regen mit sich, wenn Nordwind herrscht, gibt es oft schönes Wetter. So sind wir auf unserem Weg nach Norden immer hin und her gerissen, welche Windrichtung uns gefällt, denn der Nordwind mit schönem Wetter bedeutet für uns gegenan zu segeln.


14.09.2020 Straumshornet - der unbesteigbare Berg?

Nachdem wir Stadlandet umrundet haben, betreten wir mit unserem Boot den Bezirk Møre e Sunnmøre mit seinen Gebirgen Sunnmøre Alpen und den Romsdal Alpen. Die größten Städten sind Ålesund und Molde. Der berühmten Geirangerfjord und der Hjørundfjorden schlängeln sich tief in die Gebirge hinein. Durch den ständigen Wechsel von Windstille und starken Fallböen in den Fjorden ist das Gebiet nicht unbedingt zum Segeln geeignet. Doch es gibt hier im Sommer viele Wanderungen und im Winter Skitouren. Auf ut.no sind unzählige Vorschläge für das Gebiet zu finden. Als Ausgangspunkt Rund um Ålesund bieten sich Volda, Ørsta, Sæbø und Sykkylven an. Das Wetter ist seit einigen Tagen unbeständig und der erste Neuschnee fällt bis auf eine Höhe von 800m herunter. Vom Boot aus sehen wir auf den Nordflanken der Berge auch einige Gletscher, die weit in die Fjorde herunter reichen.Wir haben uns mit Leif und seiner Frau Irene verabredet, und besuchen sie in Sykkylven, einem kleinen Ort am Anfang des Geiranger Fjords. Wir kennen Leif von unserem letzten Besuch in Norwegen im Jahr 2017, wo wir mit ihm und einigen anderen Freunden Skitouren in den Romsdal Alpen unternommen haben. Leif schlägt vor, am nächsten Tag auf das Straumshornet zu gehen. Das Straumshornet ist ein sehr steiler und spitzer Kegel, den wir vom Boot im Hafen aus sehen.  Nie hätten wir einen Wanderweg auf diesen steilen Gipfel vermutet. Auch in der Karte bzw. in ut.no gibt es keine Informationen dazu. Zuerst fahren wir mit dem Auto auf einer Mautstrasse einige Höhenmeter in Richtung Straumshornet. Doch jetzt geht es zu Fuss weiter. Noch immer scheint der spitze Berg unbesteigbar. Wir folgen einem Trampelpfad anfangs mit geringer Steigung dann etwas steiler gerade hinauf zum Westgrat des Berges. Als der Westgrat senkrecht wird, weicht unser Weiterweg nach links in die Norflanke aus. Der Aufstieg schlängelt sich jetzt steil und geschickt, unter Ausnutzung der Geländeform, in der exponierten Nordflanke bis zum Gipfel hinauf. Der Gipfel ist oben so spitz wie er aussieht,mit wenig Platz und sehr exponiert. Der Ausblick von oben ist phantastisch.


22.09.2020 Segeln, Klettern und Bergsteigen rund um Molde

Nachdem uns noch ein kräftiger Sturm mit bis zu 8BFt einen Tag im Hafen von Ålesund festgehalten hat, segeln wir weiter nach Molde, der Hauptstadt der Proviny Møre og Romsdal. Zunächst geht es durch einige Schären, bis Richtung Osten ein Sund Richtung Molde abzweigt. Westlich von uns ziehen zwei Schlepper einen großen Lastkahn, von Backbord biegt 500m vor uns ein Schiff mit einem großen Kran ein, dazu überholt uns noch in den Schären ein kleiner Schlepper. Für Norwegen eigentlich kein ungewöhnlicher Vorgang, da hier doch immer was gebaut wird. Kurz bevor wir Richtung Molde nach Osten einschwenken müssen wir in einer betonnten Fahrrinne zwischen den Inseln Lepsøya und dem Festland hindurch. Hier sehen wir dann den Grund des Auflaufs der verschiedenen Schiffe: es entsteht eine Brücke. Der Lastkahn schleppt die Brückenelemente, der Kran bringt die Elemente auf die Säulen, und die kleinen Schlepper sperren die betonnte Durchfahrt ab. Wir können uns gerade noch so durchmogeln, bevor die Arbeiten beginnen.

Molde ist für uns, zumindest was die Lage betrifft, die schönste Stadt Norwegens. Die sonnige Südlage an den Hängen des am Varden und der Ausblick auf die Berge der Sunnmøre und des Romsdal ist einmalig schön. Nach unserer Ankunft verabreden wir uns mit Frode zum Donnerstagsnachmittag Klettern des Touristikvereins am Julsundet. Dort erwarten uns Klettertouren in schönem Gneisfels mit bis zu 4 Seillängen. Die Routen sind mit Klemmkeilen und Friends selbst abzusichern. Am Samstag dürfen wir dann am Wanderausflug des Touristikverein Molde teilnehmen. Der Touristikverein entspricht in seiner Funktion für Norwegen in etwa dem Deutschen Alpenverein in Deutschland. Inka und Frode holen uns an der Noe mit ihrem Auto ab. Das Ziel ist eine Gratüberschreitung zum Øspetinden (1228m hoch). Wir fahren zuerst mit der Fähre nach Festnes und dann bei Yrte Daugstad etwas den Berg hinauf zu einem Parkplatz. Wir sind 12 Teilnehmer an dieser Wanderung, Inka und Frode sind unsere Führer. Der Weg führt erst über eine Brücke, hinter der man dann einfach links abzweigt. Von da an ist der Rest der Tour eigentlich ohne Weg. Am Gipfel erwartet uns ein herrlicher Rundblick über die Alpen des Sunnmøre und Romsdal. Auf den Nordhängen liegt noch jede Menge Altschnee vom Vorjahr, und der Bergsee Øspervatnet ist im Schattenbereich noch mit Eis bedeckt. Der Berg ist zwar nur etwas über 1000m hoch, doch in Norwegen herrscht auf dieser Höhe ein Klima, wie in den Alpen auf 3000m.


01.10.2020 Hustadvika, ein Man over Board (MOB) Fehlalarm und Schlemmern imKro von Bessaker

Nach über einer Woche Aufenthalt in Molde machen wir uns auf, um das dritte Nadelöhr Richtung Norden zu durchsegeln. Vor uns lag die Passage Hustavika. Neben Lista im Süden, der Landzunge Stadtlandet ist die Passage um Hustavika das dritte Nadelöhr auf dem Weg nach Norden. Berüchtigt ist das Gebiet bei schlechtem Wetter mit starkem Nordwind. Der 20sm lange Abschnitt hat viele Untiefen und Schären. Am Ausgang Richtung  Norden prallen dann Stürme aus dem Norden ungebremst auf dieses Gebiet und bilden eine gefährliche See mit hohen Wellen. Erst im März 2019 ist dort sogar ein Passagierschiff mit 1400 Passagieren in Seenot geraten. Wir warten in Molde ab, bis die Wettervorhersage kaum Wind ansagt und schönes Wetter mit guter Sicht herrscht. Wir segeln mit raumen Wind von Molde vorbei bis Bud. Dort zwischen zwei markierten kleinen Inseln ist der Eintritt ins Hustadvika. Gleich nach den Inseln geht es hart Steuerbord immer an der Küste entlang im Zig-Zack durch die Schären von Hustadvika.  Am Ende des Gebiets liegt die kleine Insel Straumen, wo wir die Noe für die Nacht festmachen.

Unser nächstes Ziel ist das Robu Kroa in Bessaker, wo Conny und Ralf ein Lokal führen, mit sehr gutem norwegischem und deutschem Essen. Wir haben die zwei bei unserer ersten Norwegenreise kennengelernt, und so gab es ein großes Hallo bei unserem erneuten Besuch. Dieses Mal gibt es Elchburger und Dorsch in Bierteig – sehr lecker! Da Ralf Jäger ist, sind die tierischen Zutaten alle selbst gefangen und erlegt.

Auf dem Weg dorthin werden wir kurz hinter Kristiansund über das Handy von der Küstenwache angerufen. Sie fragen uns, ob an Bord alles ok sei. Sie scheinen unsere Verwunderung zu merken und erklären uns, dass von unserem Boot eine AIS Mann über Bord Meldung vorliegt. Und tatsächlich sehen wir auf unserem Plotter immer wieder ganz kurz ein zweites AIS Signal. Mir schwant schlimmes: Ich öffne meine Rettungsweste in dem mein PLB AIS eingebaut ist, und sehe, dass dort ein Alarm gesendet wird. Die Antennenhalterung und die Abdeckung des Notknopfes fallen mir entgegen. Irgendwie hat sich der Schutz in der Rettungsweste geöffnet und durch Druck auf die Weste hat sich das Notsignal aktiviert. Unser VHF Funk hat allerdings auf den Alarm nicht reagiert. Die Empfangsantenne des AIS sitzt auf der Mastspitze, und das Signal des PLB AIS wurde von mir am Steuerrad ausgelöst, so dass wohl keine Funkverbindung nach oben entstanden ist. Wir bedanken uns bei der Küstenwache für den Anruf und entschuldigen uns für den Fehlalarm. Immerhin ist es gut zu wissen, dass da jemand gut aufpasst!


05.10.2020 Sturm und Klettern in Flatanger

Es ist wieder mal Sturm angesagt, eigentlich nur in Böen, doch beim Segeln sind starke Böen manchmal unangenehmer als konstanter Starkwind – vor allem, wenn man dann zu viel Tuch oben hat. Wir ziehen von Bessaker weiter Richtung Flatanger. Das Klettergebiet von Flatanger zählt bei Sportkletterern zu den Top Gebieten weltweit. Vor zwei Jahren wurde hier durch den tschechischen Kletterer Adam Ondra nach mehrjähriger Vorarbeit mit der Route Silence die erste 9c weltweit geklettert. Die Route wartet immer noch auf die erste Wiederholung. Neben den Extremtouren rund um die Höhle bietet Flatanger aber auch für uns einige Touren im Schwierigkeitsgrad 5b bis 6a an.

Als wir allerdings von Bessaker lossegeln kommen wir nicht weit. Immer wieder brausen von den nahen Bergen im Osten starke Böen über das Meer mit Windspitzen bis 50kn. Wir segeln schon im 3. Reff und mit der Selbstwendefock, doch so richtig Spaß mag da trotzdem nicht aufkommen. Der nahe Hafen von Setervågen verspricht uns etwas Schutz um diese Wetterlage abzuwarten. Doch auch hier bläst der Wind fast ungeschützt und schüttelt die Noe zwei Tage heftig durch. Immerhin gibt es um den Ort einige Wanderungen, die wir bedingt durch den Sturm mehr oder weniger aufrecht unternehmen.

Nach zwei Wartetagen in Setervågen segeln wir dann weiter nach Lauvsnes. Von dort sind es mit dem Rad 6 km bis zum Klettergebiet in Flatanger. Sobald wir die Hauptstrasse Richtung Klettergebiet verlassen, finden wir links und rechts des Feldweges je ein Klettergebiet, in dem wir für uns geeignete Kletterrouten finden. Wir klettern dort einige Routen und radeln anschließend weiter bis zum Klettercamp, wo wir unsere Räder abstellen. Bedingt durch Corona sind hier kaum Kletterer zu sehen. Vom Camp wandern wir in 20min hoch zu der imposanten Höhle Hanshallaren. Die Höhlendecke und die umliegenden überhängenden Felswände haben sich in den letzten Jahren zum Mekka der Sportkletterer entwickelt. Das Höhlendach ist gespickt mit Bohrhaken und bereits eingehängten Expressschlingen. Von einem englischen Kletterer lassen wir uns dann den Verlauf der Route Silence im Dach zeigen. Wir müssen uns zum besseren  Betrachten der Route mit dem Rücken auf den Höhlenboden legen und können dann ob der Kühnheit der Route nur noch staunen!


12.10.2020 Segeln gegen Wind und Strömung ins Land der Trolle und Fabelwesen

Ein Segelboot funktioniert verrückt: wenn der Wind von hinten kommt, in der Seglersprache Raumer Wind genannt, dann segeln die meisten Segelboote nicht besonders schnell und gut, da das schwere Boot nur vom Wind geschoben wird. Oft funktioniert gegen den Wind segeln schneller und leichter, da hier durch die Segel ein Tragflügeleffekt entsteht, der das Boot zieht. Allerdings muss man mit dem Boot dann kreuzen und kommt so im Zig-Zack seinem Ziel näher. Wenn dann allerdings noch die Strömung von Vorne kommt kann es passieren, dass man sich auf der Stelle kreuzt uns sich keinen Meter Richtung Ziel bewegt. Kommen dann noch drehende Winde dazu, dann ist das zusammengefasst unser Segeltag von Tjøtta nach Sandnessjøen. Aus einer Strecke von 17sm segeln wir dann 32sm. So ist segeln!

Das diese Streck so kompliziert verläuft, begründen wir einfach mal mit Einfluß der vielen versteinerten Trolle und Sagengestalten, an denen wir seit Tagen vorbeisegeln. Dazu die Geschichte:

 

Nördlich im Hologaland gab es zwei mächtige Könige: Vågekallen und den Sulitjelma-König. Der Vestfjord trennte die beiden Reiche, die beide ihre Sorgen hatten. Vågekallen hatte Probleme mit seinem ungehorsamen Sohn Hestmannen. Der Sulitjelma-König konnte seine sieben ausgelassenen und wilden Töchter, die er nach Landego gesendet hatte - wo sich auch Lekamøya befand -, nicht bändigen.

Eines Abends sah Hestmannen Lekamøya und die sieben Schwestern im Meer bei Landego baden. Ein einziger Blick entfachte seine Begierde nach Lekamøya und er beschloß, sie um Mitternacht zu rauben. Zu Pferde und in voller Rüstung - mit wehendem Helmschmuck und den Mantel um die starken Schultern geschlagen - jagte er auf seinem nächtlichen Ritt Richtung Süden zu den Jungfrauen.

Diese entdeckten ihn und flüchteten in aller Hast bis zum Ende ihrer Kräfte. Die sieben Schwestern gaben ihre Flucht auf und warfen sich bei Alstahaug nieder. Nur Lekamøya setzte ihre Flucht nach Süden fort.

Währenddessen stand der König im Sømnagebirge bei Brønnøysund und beobachtete die wilde Jagd.

Der Sømna-König sah den enttäuschten Freier einen Pfeil in seinen Bogen legen. Er schleuderte jedoch seinen Hut dazwischen und rettete so die schöne Jungfrau, die bis Leka gekommen war.

Der Hut fiel bei Brønnøysund nieder. In diesem Augenlick erschien die Sonne und alles erstarrte zu Stein.

(kopiert aus leka-camp.no, „Die Sage von Lekamøya“)

 

Tja, so sind die Insel Leka, die Berge der Seven Sisters, der Torghatten (der Berg mit dem Loch in der Mitte) und die Insel Hestmona entstanden.


16.10.2020 Schlechtes Herbstwetter und kürzere Tage

Heute haben wir den Polarkreis am Breitengrad 66Grad 33 Minuten und 55 Sekunden Nord Richtung Norden überquert. Das Wetter ist seit Tagen regnerisch, es ist kalt und die Tage werden merklich kürzer. Am Polarkreis geht die Sonne zur Wintersonnwende nicht komplett auf. Doch es wird auch dann für einige Stunden hell. Heute, Mitte Oktober ist es hier noch von 7:30 bis 18:00 hell, so dass genug Zeit bleibt, um ein Stück weiter nach Norden voran zu kommen. Es gibt Tage, da treffen wir auf den Inseln niemanden. Keine Einheimischen und keine Touristen. Auf dem Wasser sehen wir ab und an ein Fischerboot oder eine Fähre. Die meiste Zeit aber auch dort nur Inseln, Berge und Wasser. Viele Inseln werden hier oft nur im Sommer bewohnt und im Winter dem Wetter überlassen. Die Gasthöfe sind längst geschlossen, und auch an den Anlegestegen sind wir immer das einzige Boot. Saison ist von Anfang Juni bis Mitte August. Doch man kann auch jetzt sehr gut segeln. Wir segeln mit dicken Wollsocken und Bergschuhen an den Füßen. Über die Thermounterwäsche tragen wir Fleecejacken, darüber Daunenjacken und darüber unsere Schlechtwetterkleidung. Am Kopf unter einer dicken Wollmütze haben wir eine dünne Sturmhaube. Handschuhe zum Arbeiten auf dem Boot habe ich mir im Fachhandel für Fischer gekauft: außen Gummi und innen mit Wolle gefüttert – griffig, trocken und warm. Bei 5 Grad Lufttemperatur und dem ein oder anderen Regenschauer kommen wir so gut und warm durch den Tag.


19.10.2020 Der Winter hält Einzug

Wieder ist Sturm angesagt, und wir verholen uns in Halsa. Hier gibt es einen von allen Seiten geschützten Naturhafen mit einer engen Einfahrt. Kaum haben wir unser Segelboot Noe am Steg vertäut setzt Regen mit Starkwind ein. Manchmal taucht eine Böe bis zu uns in die geschützte Bucht herab. Das Thermometer fällt auf 1 Grad, und es fängt an zu graupeln. In der Nacht bringe ich zur Sicherheit noch ein paar Taue und Fender aus – mehr kann man nicht machen. Am nächsten Tag ist es draußen gefroren, und die Berge um uns herum sind alle weis. Da das Wetter sich wieder beruhigt hat, entschließen wir uns nach Engen zum Svartisen Gletscher zu segeln. Der Svartisen Gletscher ist mit 12 qkm der zweitgrößte Gletscher Norwegens. Vom riesigen Hochplateau fließt in Engen eine Gletscherzunge spektakulär fast bis auf Meereshöhe hinab. Am Ende des Fjords gibt es einen neuen Steg. Es ist ruhig dort und außer den Kühen vom Bauernhof auf dem Weg zum Gletscher treffen wir den ganzen Tag niemanden. Die Nacht dort ist sternenklar und bei -3 Grad haben wir den ersten Frost auf unserer Reise. Durch den Regen die Tage zuvor sind die noch nassen Festmacheleinen bald gefroren und lassen sich am Morgen kaum lösen. Auch beim Hissen der Segel auf dem Weg weiter nach Bolga fällt überall Eis heraus aufs Boot.


25.10.2020 Ankunft in Bodø

Wir sind in Bodø angekommen. Ganz innen in der Marina finden wir noch einen Platz der geschützt von den kommenden Stürmen liegt. Mit uns sind noch zwei Segler hier: ein australisches Ehepaar mit dem Segelboot Kraken und das belgische Expeditionssegelboot Qilak mit Phil und seiner Tochter Marion. Wir bilden bald eine verschworene Gemeinschaft in einer surrealen Zeit: wegen der hohen Covid-19 Zahlen im Heimatland und den immer strengeren Maßnahmen trauen wir uns kaum nach Hause, und eine Rückkehr von dort zum Boot scheint derzeit auch ein schwieriges Unterfangen. Auch Norwegen will die Einreisebedingungen wieder verschärfen. Wir machen daher erst mal Pause hier. Eine Zusage über einen Winterliegeplatz haben wir vom Hafen bekommen. Bisher finden wir Bodø sehr nett: es gibt viele Cafés, alle Läden sind vom Boot zu Fuß zu erreichen und das Nordlicht hat die letzten Abende schon mal alle Register seines Könnens gezogen. Am Abend lauschen wir den interessanten Geschichten der anderen Crews. Da die Yachten jeweils sehr geräumig sind, treffen wir uns immer in einer der drei Yachten zum Abendessen. Die nächsten Tage werden wir wohl einige Reparaturen an der Noe vornehmen und uns überlegen, wie wir die kommenden Winterwochen verbringen.

 


31.10.2020 Auf dem Weg nach Tromsø

 Wir beschließen endgültig unseren Besuch in Deutschland abzublasen – wir wissen nicht, ob wir daheim in Quarantäne müssen, und ob wir wieder nach Norwegen zurück zu unserem Boot können. Einen idealen Platz für unser Boot haben wir bisher auch noch nicht gefunden. Bei einem Treffen auf der Qilak erzählt uns Phil über das Spektakel der Wale im November und Dezember nördlich von Tromsø. Wir sind anfangs skeptisch, da wir in so hohen Breiten im Winter noch nie mit dem Segelboot unterwegs waren. Ich mache mich an die Planung und arbeite einen 10-Tagesplan aus, um mit Etappen von täglich 20sm sicher nach Tromsø zu gelangen. Wir wollen in der großartigen Landschaft bei Tageslicht segeln. Es wird um 7Uhr hell und um 16 Uhr ist es bereits stockdunkel. Der Wind kommt auch aus südlicher Richtung – wir starten. Über Kerringøy, Nordskøt und Hamarøy geht es bis Lødingen. Auf Backbord (links) tauchen langsam in der Ferne die Lofoten auf, die im Dreieck des Vestfjorden in Lødingen an das Festland anstossen. Aber auch auf der Steuerbordseite (rechts) tauchen impossante Gebirge auf. Die Landschaft hier ist einmalig schön. Die Bergspitzen sind durch den ersten Schnee angezuckert. Inzwischen sind wir 5 Tage gesegelt und in Lødingen angekommen. Morgen wollen wir es bis Harstad schaffen, dann stehen erst mal Sturm und Pause auf dem Programm.

 


11.11.2020 Auf dem Weg nach Tromsø (2. Teil)

 

Mehr als eine Woche lagen wir eingeweht in Harstad. Die ersten Schneeschauer ziehen über uns hinweg. Wir nutzen eine ruhigere Wetterphase aus und segeln in zwei Tagen durch bis Tromsø. Der Strom im Raftsund kurz vor Tromsø ist fast 4kn gegen uns, das kritische Stück hat aber nur eine Länge von einem Kilometer. Mit voller Motorkraft schieben wir uns durch den Sund langsam Tromsø entgegen. Nach einem Nachtstopp in Tromsø segeln wir amnächsten Morgen gleich weiter Richtung Lyngen und Skjervøy – denn die Wale sind inzwischen eingetroffen.

 


17.11.2020 Wale beobachten in Skjervøy

 

Auf dem Weg nach Skjervøy machen wir einen Stopp in Nordlenangen. Tageslicht gibt es inzwischen nur noch von 8:00 bis 14:30. Noch im Dunkeln brechen wir in Nordlenengen auf, um rechtzeitig bei Tageslicht in Skjervøy bei den Walen zu sein. Auf dem Plotter sehen wir schon nach einigen Seemeilen vor uns eine ganze Armada von Fischerbooten südlich der Insel Arnøy. Im Dämmerlicht versuche ich die Boote einzuordnen, um eine Linie für uns Richtung Skjervøy zu finden. Mit dem Fernglas sehe ich die Navigationslichter rot über weiß, also einen Fischer, der kein Netz schleppt. Daneben ein Fischer mit Flutlichtscheinwerfern. Wir halten Abstand von den Booten, müssen aber doch irgendwie zwischendurch. Plötzlich taucht neben uns ein Orca auf. Wir holen schnell die Segel ein und starten den Motor um mit langsamer Fahrt etwas genauer das Meer um uns herum beobachten zu können. Der Wind schläft in dem Sund zwischen Arnøy und Kågen komplett ein und wir treiben bei glatter See in die Bucht zwischen Kågen und Skjervøy. Das Segelboot Kraken unserer australischen Freunde ist schon da. Plötzlich bildet sich vor uns ein ganzer Schwarm von Möwen, die kreischend über dem Wasser kreisen. Das Meer fängt an zu brodeln und schon tauchen die ersten Orcas an der Oberfläche auf. Die Orcas haben wohl einen Schwarm Heringe hier zusammengetrieben und fangen nun mit ihrem Festmahl an. Wir umkreisen langsam mit unserem Boot das Spektakel. Nach etwa zwei Stunde ist das Schauspiel genauso schnell vorbei, wie es begonnen hat – die Orcas sind nicht mehr zu sehen, und die Möwen zerstreuen sich in alle Richtungen.

 


23.11.2020 Havnnes, oder - ist es bei Euch eigentlich noch hell?

 

Ja, die Stunden mit Tageslicht wurden in den letzten Wochen merklich kürzer - doch hell ist es hier oben immer noch, zumindest für einige Stunden. Wir befinden uns am 70. nördlichen Breitengrad, und somit weit nördlich des Polarkreises. Zum Vergleich: Island liegt komplett südlich des Polarkreises und die Nordspitze Alaskas liegt ungefähr auf dem gleichen Breitengrad wie Havnnes. Offiziell ist in Havnnes heute um 10:27 Sonnenaufgang und um 12:20 ist Sonnenuntergang. Die Sonne wäre somit kurz zu sehen. Havnnes liegt allerdings nördlich der Lyngenalpen, so dass wir die Sonne nur durch die von ihr beleuchteten Bergspitzen erahnen können. Tatsächlich ist es aber hier von etwa 08:30 bis 14:00 gut hell. Durch Lichtreflexion des Schnees und die immer wieder aufglühende Aurora ist es aber auch davor und danach noch hell genug, um etwas zu unternehmen. Die meisten Norweger schalten inzwischen an ihren Häusern das Licht nicht mehr aus und lassen es 24h brennen. Bis zur Wintersonnwende am 21.12. wird die Zeit mit Tageslicht noch merklich kürzer werden und bald wird es keinen Sonnenaufgang mehr geben. Doch hell wird es hier auch am 21.12 für kurze Zeit sein. Nach dem 21.12 wird die Dauer des Tageslichts wieder länger. Mitte Januar werden wir die gleiche Tageslänge haben wie heute. Bereits Mitte März wird die Sonne schon wieder 12 Stunden scheinen. Ab Anfang Mai wird es dann wieder 24h hell sein - die Zeit der Mitternachtssonne beginnt.

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Joe Schweizer (Samstag, 25 Juli 2020 13:59)

    Hallo Christine und Thomas
    Viel Glück und immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel.
    Verfolge von Zeit zu Zeit eure Reiseberichte.
    Gruß Joe und Margit

  • #2

    Pöschlhof (Dienstag, 25 August 2020 19:18)

    Servus ihr 2. Viele Grüsse aus Oberbayern, wir wünschen euch viel Spass.
    Grüsse Maike und Christian

  • #3

    Heidi wulf (Sonntag, 30 August 2020 18:06)

    Hi ihr 2, ich verfolge mit Begeisterung eure Aktivitäten. Hut ab vor eurer Mammut- Radtour. Obwohl wir sehr oft in Norwegen waren, entdecke ich mit euch viele neue Häfen. Es gibt so viele schöne Ecken dort.
    Für die Weiterfahrt wünsche ich euch guten Wind aus der richtigen Richtung ( gen Norden leider oft mit Schietwetter verbunden) und eine schöne Reise. Liebe gruesse, auch von Peter

  • #4

    Gabi und Norbert (Dienstag, 08 September 2020 21:31)

    ... passt auf auf Euch, denn Sicherheit geht vor. Trotzdem weiterhin viel Spaß bei Euren Unternehmungen - wie und wo auch immer in Norwegen. Liebe Grüße Gabi und Norbert

  • #5

    Richard (Samstag, 31 Oktober 2020 20:01)

    Hallo Christine und Thomas,
    schöne Grüße aus Augsburg
    und weiter eine gute Reise.

    Richard