Tipps Staande Mastroute

Wir sind die Staande Mastroute durch die Niederlande im September 2018 von Vlissingen nach Delfzijl gefahren. Die Route führt Quer durch die Niederlande auf Kanälen, bei denen der Mast des Segelboots nicht gelegt werden muss. Diese Route bietet sich an, wenn auf der Nordsee Sturm angesagt ist, oder wenn man sich vom Boot aus das Inland ansehen will. Unsere Route startet in Vlissingen und ging über Dordrecht, Braasemermeer, Gauda, an Rotterdam vorbei , Haarlem, Amsterdam, Markermeer, Ijsselmeer, Groningen und Delfzijl. Im nachfolgenden Artikel schreiben wir über unsere Erfahrungen und geben Tipps für das Befahren der Staande Mast Route. 

Wetter bei unserer Durchfahrt

  • Das Wetter bei unsere Durchfahrt war gemischt. Wind bis 35 kn und Regen, aber auch windstille Tage mit Sonnenschein.

Die äußeren Bedingungen bei unserer Durchfahrt

  • Im Sommer 2019 hatte es sehr wenig Niederschläge. Wir haben von anderen Seglern gehört, dass einige Kanäle durch den niedrigen Wasserstand im Hochsommer nicht schiffbar waren. Wir hatten unseren Kiel oft bis auf 1,80m eingezogen und trotzdem gab es zwei Grundberührungen bei Einfahrten in Häfen. Ein Befahren der Staande Mastroute könnte mit über 1,80m Tiefgang bei den von uns vorgefundenen Bedingungen schwierig sein.
  • Da wir außerhalb der Saison unterwegs waren, vom 08.09. in Vlissingen bis 24.09. in Delfzijl, trafen wir bei unserer Durchfahrt wenig andere Segelboote. Alle von uns angefahrenen Liegeplätze hatten daher noch ausreichend Platz für weitere Boote. An den Schleusen und Brücken waren wir oft das einzige Segelboot.
  • Wir sind die Strecke über Haarlem gefahren und nicht durch Amsterdam, weil uns diese von mehreren Seiten als die schönere empfohlen worden ist.
Haarlem vom Wasser aus gesehen
Haarlem vom Wasser aus gesehen

Wichtige Literatur und der Streckenführer zur Navigation

 

  • Das wichtigste Werk zum Durchfahren der Kanäle ist die aktuelle Broschüre des niederländischen Sportschiffahrtsverbands.  Die in deutscher Sprache erhältlichen Broschüre enthält viele wichtige und nützliche Informationen und Verhaltensregeln zum Befahren der Route. Hier der Link dazu.
  • Wir haben uns für die Durchfahrt den aktuellen Streckenführer: ANBW Wateratlas Staande Mastroute 2018 gekauft. Im Streckenführer sind alle notwendigen Informationen wie z.B. Liegeplätze, Seezeichen, Funkkanäle, Öffnungszeiten der Schleusen und Brücken enthalten.
  • Zur Navigation hatten wir zusätzlich ein Monatsabonnement der Gewässerkarten-App vom Apple store. Um dieses App zu erhalten muss man in den niederländischen App Store wechseln. Die App ist frei erhältlich. Das Monatsabo für die Karte hat 9,99 Euro gekostet. Es gibt auch ein Wochenabo für 5,49 Euro oder ein Jahresabo für 42,99 Euro. Wir haben die Karte auf unser iPad geladen und das iPad als Plotter genutzt. Die App funktionierte bei uns zur Navigation tadellos. Hier der Link für Android.
  • Wir fanden die Kombination von Streckenführer und Gewässerkarten-App als sehr nützlich. Für zusammen ca. 30 Euro hat man für die Navigation alles was man braucht um sicher in den Kanälen die Route und die Liegeplätze zu finden. Den Führer kann man ja am Ende der Reise an entgegen kommende Boote verkaufen.

Was sollte man für das Befahren der Staande Mastroute wissen und beachten

 

  • Wir haben uns für die Durchfahrt Zeit genommen und benötigten knapp 3 Wochen von Vlissingen bis Delfzijl. In einigen Führern und im Internet wird von Durchfahrten von Amsterdam bis Delfzijl in 2 Tagen berichtet. Da muss wirklich alles passen. 4 Tage sind da nach unserer Erfahrung für eine schnelle und komplette Durchfahrt eher realistisch da die Brücken und Schleusen z. T. ab 19 Uhr nicht mehr bedient werden.
  • Den VHF Radio vom Boot vorher testen, da er bei der Durchfahrt sehr oft benötigt wird.
  • Viele Brücken und Schleusen haben feste Öffnungszeiten, einige öffnen nur dreimal am Tag - die Infos sind im Führer und auf der App zu finden
  • Auch wenn eine Brücke eine fest vorgegebene Öffnungszeit hat, ist es gut, wenn man vorher über Funk seinen Willen zur Durchfahrt kundtut. Wir waren einmal das einzige Boot zur Durchfahrt, und ich bezweifle ob die Brücke ohne Anruf geöffnet hätte.
  • Vor einigen Schleusen und Brücken gibt es keine Anlegemöglichkeit. Da kann das Ansteuern einer geschlossenen Schleuse/Brücke bei starkem Seitenwind sehr unangenehm werden. Es ist daher von großem Vorteil alle Brücken und Schleusen vorab mit dem Funk anzurufen und mit dem Fernglas die Ampeln vor der Brücke/Schleuse zu beobachten. Langsames Annähern an die Ampel ist besser, als vor der Schleuse/Brücke gewagte Manöver im manchmal engen Kanal durchzuführen. Die Funkkanäle sind im Gebietsführer und in der App für jede Brücke und Schleuse enthalten. Wichtig ist auch, dass die geöffneten Brücke bei grüner Ampel flott durchfahren wird, da die Brückenwärter die Öffnungszeiten so kurz wie möglich halten wollen. Wenn man trödelt kann die Ampel vor dem Durchfahren auf rot gehen und die Brücke geht wieder runter (ist uns so 100m vor einer Brücke passiert). 
  • Einige Brücken haben an der zugehörigen Anlegestelle eine Sprechanlage, an der man seinen Willen zur Durchfahrt durchgibt. Bei starkem Seitenwind fanden wir es sinnvoller nicht anzulegen, sondern per Funk die Durchfahrt anzumelden. Ein Ablegen mit Winddruck auf die Anlegestelle kann schwierig bis unmöglich werden.
  • Alle Brücken und Schleusen sind mit Ampeln ausgerüstet. Bei Rot muss man warten, rot/grün bedeutet dass die Brücke/Schleuse bald öffnet - man sollte sich fertig machen zum Durchfahren, grün bedeutet dass die Durchfahrt frei ist.
  • An allen Brücken und Schleusen die auch von der Berufsschifffahrt genutzt wird ist vorab abzuklären, ob und wie man als Sportboot einfahren darf. Manchmal ist rot/grün oder grün. Auch hier immer über Funk anrufen, da manchmal ein Berufsschiffer erwartet wird, der dann Vorfahrt hat.
  • Beim Schleusen lange Leinen und gute Fender bereithalten, der Wasserstrom in der Schleuse kann durch die Berufsschiffe und das Schleusenwasser starke Wirbel verursachen. Bei uns haben sich in Schleusen zwei große Kugelfender bewährt, je einer am Bug und einer am Heck angebracht.
  • Man kann auf den Kanälen auch oft Segeln, oder zumindest den Motor mit der Genua oder der Fock unterstützen. Verkehrszeichen zeigen an, wann das Segeln verboten ist.
  • Bei starkem Wind ist auch die Kanalroute mit sehr viel Vorsicht zu befahren. Da der Kanal manchmal erhöht vom Land verläuft, und oft kein Windschutz durch z.B. Bäume vorhanden ist, kann besonders bei Seitenwind oder raumen Wind starker Drift auftreten. Vor allem vor Schleusen und Brücken ist da mit sehr viel Vorsicht zu fahren, da das Boot durch die verminderte Geschwindigkeit sehr leicht versetzt wird.
  • An einigen Brücken wird Brückengeld verlangt. Dazu wird aus dem Haus des Brückenwärters eine Angel mit einem Schuh gereicht, in den das Geld im Vorbeifahren abgezählt eingeworfen wird. Genügend Kleingeld bereithalten, da kein Wechselgeld gegeben wird! Die Kosten belaufen sich insgesamt auf ungefähr 40 Euro. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Henning (Sonntag, 30 Juni 2019 10:50)

    Moin,
    Schöner Bericht. Wir liegen in Workum, etwa 20km nördlich von Lemmer, direkt am Ijsselmeer. Die Stande Mastroute nach Zealand über Harlem sind wir schon oft gefahren. Da muss ich sagen 2 Tage von komplett von Süd nach Nord halte ich für völlig unrealistisch, selbst 4 Tage sind in Anbetracht der vielen Brücken und Schleusen und vor allem der Eisenbahnbrücken, die nur an festen Zeiten und ggf nur 2 oder 3 mal am Tag öffnen, schon ziemlich ambitioniert.

    Aber schön ist es immer wieder.

    Gruß

    Henning