Argentinien

Rundreise durch den Norden Argentiniens

Klettern, Bergsteigen, Wandern und Staunen

Ein Reisetagebuch

Teil 3: Vom Aconcagua nach Bariloche

Aconcagua - Punte del Inca

12.03.2026

Es geht weiter bis Uspallata und von dort zur Puente de Inca. Punte del Inca ist der Ausgangsort zum Aconcagua Nationalpark und für den Normalweg auf den Aconcagua. Der Aconcagua ist mit 6981m der höchste Berg auf dem amerikanischen Kontinent.

Nach einem kurzen Stopp in Uspallata fahren wir zu dem Paso de Uspallata, an die Grenze nach Chile. Es ist kalt und windig dort oben auf 3800 m Höhe. Wir steigen noch etwa 150m höher zu einem Aussichtspunkt, von dem man den Aconcagua zum Greifen nah ist. Danach geht es die wilde Serpentinenstraße wieder ins Tal und zu unserer gebuchten Unterkunft.

Dort angekommen können wir allerdings keine Rezeption wie beschrieben finden. Nachdem wir etwas umherirren, finde ich einen Mann der uns weiterhilft und die Telefonnummer, die in Booking angegeben ist für uns anruft. Wir erfahren, dass das Appartement nicht frei ist und ein Fehler bei der Bestätigung der Buchung passiert ist. Jetzt stehen wir also ohne Zimmer da, in einem Skiort, wo die Saison längst vorbei ist bzw. noch lange nicht beginnt. Nachdem wir keine andere offene Unterkunft finden, beschließen wir uns einen Platz fürs Zelt zu suchen. Das ist in diesem relativ engen Tal aber gar nicht so einfach. Kurz bevor es dunkel ist, finden wir in der Nähe des Friedhofs für Bergsteiger einen Fleck für unser Zelt. Der Bahndamm der alten Eisenbahn liegt schützend hinter uns. Dort sieht uns niemand, nur der Lärm der vielen Lkws die zur chilenischen Grenze fahren dröhnt zu uns herüber.

Aconcagua Base Camp

13.03.2026

In der Nacht war es richtig kalt, so dass ich froh bin um meinen dicken Schlafsack. Am Morgen, noch bevor die Sonne die Luft erwärmt, packen wir unser Zelt zusammen und fahren zum Eingang des Nationalparks des Aconcagua. Wir haben für heute ein Ticket für je 55€ gebucht, das uns erlaubt um bis zum 1. Camp zu laufen. Die Tickets für den Nationalpark können nur online gebucht werden. Hier vor Ort gibt es keine Tickets zu kaufen. Das Bergsteigen am Aconcagua ist über Tickets reglementiert und für Ausländer ziemlich teuer. Eine Besteigung des Aconcagua schlägt da beim Ticket mit 1200USD zu buche, dazu muss man auch Wasser kaufen, da es ab dem Base camp kein Wasser mehr gibt und alles mit Esel nach oben transportiert werden muss. Die Nationalparkwächter achten genau darauf, dass man nur das macht für das man laut Ticket auch bezahlt hat. Zu meiner Überraschung sind wir in der Früh die Einzigen die sich auf den Weg zum Basislager machen. Das Wetter ist super und so soll es auch für die nächsten Tage bleiben.

Am Base Camp angekommen stellen wir fest, das die die Saison schon vorbei ist. Alles ist abgebaut oder verpackt und nur noch die Gerüste der Iglu Zelte stehen verlassen in der Gegend. Der Kommerz muss warten bis zur neuen Saison. Später kommen uns die Parkwächter nach und wir werden erneut überprüft und  müssen uns am Basislager erneut registrieren

Nach 6 h stehen wir wieder am Auto, melden uns ab und fahren zurück nach Uspallata zu unsere Hütte.

Las Vegas

14.03.2026

Bei unserer Weiterfahrt kommen wir an dem größten Flaschenberg vorbei den wir bisher gesehen haben. Hintergrund für die vielen Flaschen ist die Verehrung von Difunta Corea. Nachdem ihr Mann von der Miliz entführt wurde, ging sie mit ihrem Baby in die Wüste um ihn zu suchen und verdurstete dort. Ihr neugeborenes Baby überlebte, da es an ihrer Brust getrunken hat bis vorbeikommende Gauchos es gerettet haben. Sie ist die Heilige der Reisenden und besonders Lkw Fahrer hinterlassen als Dank für eine sichere Reise Wasser und Snacks.

Ein kurzes Stück später haben wir endlich mal wieder Fels unter den Zehen. Wir klettern im kleinen Sportklettergebiet von Conglomerado. Hier ist der Name Programm. Ungewöhnlich ist er schon: Konglomerat ist nicht der übliche Fels den wir normalerweise klettern, aber nach der Eingewöhnung macht es Spaß mal wieder zu klettern.

Nach dem Klettern geht es zu unserer Unterkunft. Mit Erschrecken stelle ich fest, dass die Nachbarn ein Fest mit einer lautstarker Live Band feiern. Da es aber ein Fest für den Eintritt in die Rente ist, hoffen wir dass die Party nicht so lange geht. Um 23.30 ist dann tatsächlich Ruhe.

El Salto

15.03.2026

Heute steht wieder Klettern auf dem Programm. Der Weg zu den Einstiegen hat es heute in sich. Der Pfad führt durch Brombeergestrüpp an dem man sich vorsichtig vorbeiwinden muss. Aber schließlich stehen wir am Fels und klettern die Touren, die wir raufkommen. Danach geht es zur Hütte zurück und zum gemütlichen Teil des Tages über.

Malargüe (1)

16.03.2026

Nachdem wir am Morgen nochmals kurz in Conglomerado klettern, geht es wieder ein Stück weiter auf der RN-40 nach Süden. Mendoza lassen wir links liegen. Uns zieht es mehr in die bergige Gegend.

In dem typischen Gaucho Land wie ich mir Argentinien eigentlich vorgestellt habe, kommt plötzlich ein Sturm auf. Der einsetzende Sturm wird hier Zonda genannt. Zonda ist ein Föhnsturm, der über die Anden aus dem Westen bläst. Der Zonda ist auch bei den Argentiniern berühmt berüchtigt. Da die Gegend hier generell schon recht trocken ist, wird der Zonda zum Sandsturm mit warmen Temperaturen im Tal. Oben in den Bergen können wir Neuschnee erkennen, bei uns im Tal hat es 25 Grad. Auch optisch ist der Sturm eine Besonderheit. Wir erfahren, dass der Sturm noch wesentlich stärker sein kann als wir ihn jetzt  erleben. Wenn der Zonda seine volle Gewalt entfaltet wird der Straßenverkehr eingestellt und alle Läden und Behörden werden geschlossen, sogar die Schule fällt aus.

Unser heutiges Hotel ist ein ehemaliges Golfhotel mit vielen Tieren auf den Greens und einer schmusigen Katze.

Malargüe (2)

17.03.2026

Gestern hat in den Bergen den ersten Schnee gegeben. Heute wollen wir uns den Schnee mal näher betrachten. Schon früh am Morgen sind wir auf dem Weg ins Gebirge. Der Zonda von gestern ist fast eingeschlafen und strahlend blauer Himmel lacht uns entgegen. Wir fahren zunächst etwa 25km zurück nach Norden und biegen dann ab zum Skigebiet Las Lenas. Zuerst ist die Straße asphaltiert doch etwa 1km hinter Las Lenas geht es auf einer einspurigen Schotterpiste steil bergauf.

Hier gibt es keine Lamas und Vicuñas oder dergleichen, statt dessen werden gerade die Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen und Esel von der Sommerweide ins Tal gebracht. Wir sehen immer wieder Gauchos die ihre Tiere zusammentreiben und dann von Koppel zu Koppel ins Tal treiben.

Die Straße endet  an der Laguna del Valle. Doch wir drehen auf dem letzten Pass und dem höchsten Punkt der Straße um und fahren die gleiche Strecke zurück. Die Straße vom Pass zur Laguna schaut sehr steil und schmierig aus, und ist heute wohl eher was für einen 4WD.

Pehuenches

18.03.2026

In der Früh auf der Piste zum Reserva Castillos de Pincheira lassen wir uns gleich mal richtig einstauben. Auf der nicht asphaltierten Straße sind einige Lkws unterwegs. Aber das war Heute nur der Anfang, es sollte noch um einiges schlimmer kommen. Nachdem wir von unserem Abstecher zu den Castillos zurück in Malargüe sind fahren wir auf der RN-40 weiter nach Süden. Kurz vor der Caverna de las brujas wird die RN-40 zur Schotterpiste übelster Art. Die großen Kiesel erlauben wirklich nur noch 20 km/h und dabei hat man schon das Gefühl, der Wagen bricht auseinander. Bei jedem Stein, der gegen das Bodenblech schleudert zucken wir zusammen. Gut dass wir für heute Abend keine Unterkunft gebucht haben, ein Zeitplan ist hier schwierig zu kalkulieren oder einzuhalten. Im Ort Barrancas kehren wir bei im Gasthof Maria ein um einen Burger zu essen. Anschließend finden wir kurz vor dem Nationalpark Tromen einen guten Platz für unser Zelt mit Blick auf den Vulkan.

Zapala

19.03.2026

Der Wind, der uns gestern Abend noch so schöne Föhnwolkenstimmungen gezaubert hat ist in der Nacht eingeschlafen. Doch jetzt am Morgen geht es wieder los, schließlich sind wir jetzt in Patagonien, und da geht nichts ohne Wind. Wir fahren auf der regionalen Straße 37 um den Vulkan Tromen herum um zur Lagune Tromen auf der Nordseite des Vulkans zu kommen. Die RN37 ist eigentlich keine Straße sondern mehr ein einspuriger Feldweg, der wohl vom Norden her kaum befahren ist. Als wir die Lagune Tromen erreichen, stellen wir fest dass sie leider komplett ausgetrocknet ist. Auf der Weiterfahrt laufen uns erst zwei Nandus und später noch ein Gürteltier über den Weg. Damit hat sich der Umweg auf jedem Fall gelohnt. Die Weiterfahrt bis Zapala führt 200 km durch weitgehend unbewohnte Pampalandschaft.

San Martin de Los Andes

20.03.2026

Wir haben beschlossen von Zapala nicht direkt nach Bariloche zu fahren, sondern einen Umweg über Villa Pehuenia zu machen.

Dadurch kommen wir an Pehuenwäldern (Araukarienwäldern) vorbei, die wir schon in Brasilien bewundern konnten. Diese Baumart wird als lebendes Fossil betrachtet da sie zu den ältesten Baumfamilien der Erde gehört. Wieder sehen wir zahllose Gauchos, die ihre Tiere nach dem Sommer zusammentreiben.

Jetzt, kurz vor San Martin de Los Andes, ändert sich auch die Landschaft. Kiefernplantagen und richtige Seen ersetzen baumlose Pampa, Lagunen und Vulkankegel. Es ist wesentlich frischer als noch 300km weiter im Norden. Wir sind in Patagonien endgültig angekommen.

Von San Martin de Los Andes fahren wir weiter nach Bariloche 

Den vierten Teil unseres Berichtes über unsere Rundreise im Norden von Argentinien gibt es hier

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