Ein Reisetagebuch
Wir sind die letzten Monate von Rio de Janeiro über Itajaí nach Uruguay gesegelt. Nach einigen Wochen Aufenthalt in Uruguay geht es schließlich weiter nach San Fernando westlich von Buenos Aires in Argentinien. Dort bringen wir unser Boot Noe sicher in der Marina Barlovento unter. In der Gegend um San Fernando gibt es viele Marinas. Doch da es sich meist um private Clubs handelt, sind nur wenige Marinas bereit ausländische Gäste aufzunehmen. Wir mieten uns für zwei Monate einen Mietwagen Citroën C3, der sich als ideales Auto für die Straßen entlang der Anden erweist. Da wir unsere gesamte Kletter- Zelt- und Wanderausrüstung mitnehmen, starten wir mit dem Auto von Buenos Aires.
Eine andere Möglichkeit wäre, die langen Strecken z.B. nach Salta oder Mendoza mit dem Flugzeug zurück zu legen. Doch dann haben wir eindeutig zu viel Gepäck dabei. Beim Start in Buenos Aires, muss man allerdings erst mal 1000km mit dem Auto zurücklegen, um in die Nähe der Anden zu kommen.
Nachfolgend unser Reisetagebuch
12.02.2026
Wir starten Mittags in Buenos Aires von der Marina Barlovento und fahren an Rosario vorbei in Richtung Cordoba. Die Gegend hier ist flach, und die Straßen gehen hunderte von Kilometer immer geradeaus Unser erstes Ziel ist das Klettergebiet La Ola. Die Felsformationen liegen auf einer Hochebene vor dem Ort Mina Clavero, etwa 100km westlich von Cordoba. Mina Clavero ist ein Fremdenverkehrsort mit vielen Übernachtungsmöglichkeiten. Die Felsen an denen man klettern kann sind bis zu 30m hoch und bestehen aus schönem Granit. Es gibt kaum Griffe, die meisten Klettereien bewegen sich auf mehr oder weniger steilen Reibungsplatten. Die Routen sind meist gut gebohrt, und der Ausstieg ist zum Abseilen mit zwei Bohrhaken hergerichtet. Wir bleiben die nächsten 3 Tage in der Umgebung und unternehmen tolle Touren. Immer wieder sehen wir über uns große Kondore. Zum Photographien sind sie aber leider zu weit weg.
15.02.2026
Im Klettergebiet La Ola treffen wir einige einheimische Kletterer, die uns weitere Gebiete in der Gegend empfehlen. Eines davon ist das kleine Gebiet bei Tanti. Als wir zum Kletterfelsen wandern stellen wir fest, dass wir, um an die Felsen zu gelangen einen kleinen Fluss überqueren müssen. Erst überlegen wir ob es sich lohnt dafür nasse Füße zu bekommen. Aber wenn wir schonmal hier sind... Es ist früh am Tag und der Fels liegt bis Mittag im Schatten. Wegen der zu erwartenden Hitze von mehr als 30Grad ist der Schatten heute ein entscheidender Faktor. Der Fels überzeugt auf den ersten Blick nicht, doch beim Klettern finden wir ihn dann eigentlich ganz nett. Die Routen sind gut gebohrt und abgesichert. Später am Tag bevölkern dann argentinische Touristen den Bach und fragen sich wahrscheinlich wieso man hier was anderes macht wie baden und picknicken. Zum Fotoobjekt werden wir allemal.
17.02.2026
Heute geht es nach Los Gigantes. Dort gibt es die längste Tour in Nordargentinien in unserem Schwierigkeitsbereich, nämlich die Route Diedro Chico am Cerro de La Cruz, 4 Seillängen im fünften Schwierigkeitsgrad. An der Wand befinden sich noch rund 20 weitere Routen, die aber ab 6a und aufwärts zu haben sind. Die Absicherung aller Routen ist alpin mit nur wenigen Haken. Friends und Keile sind hier gut zu gebrauchen.
Wir fahren von Tanti Richtung Tala Canada und zweigen auf der Hochebene zur Hütte La Rotonda ab. Die Straße bis dahin ist von Tanti etwa zur Hälfte asphaltiert, der zweite Teil ist eine recht gute Schotterpiste. Bei unserer Ankunft an der Hütte fegt ein kräftiger Wind über die bizarre baumlose Landschaft der Hochebene und vertreibt die morgendlichen Wolken. Nach dem wir die 29000 Arg Pesos (etwa 18 €) Eintritt zum Park an der Hütte bezahlt haben, dürfen wir zum Berg. Der Zustieg dauert etwa 1 h und führt entlang eines gut markierten Weges direkt zur Wand. Die Kletterroute führt unten entlang einer kleinen aber markanten Verschneidung im äußersten linken Teil der mächtigen Wand. Nach den ersten zwei Seillängen legt sich die Wand zurück. Nach zwei weiteren Seillängen mit einem kleinen Aufschwungs und über flache Platten ist die Tour leider schon wieder zu Ende. Da die Tour relativ kurz und meist einfach ist, sitzen wir nach einer Stunde auf dem Cerro de La Cruz. Auf dem Gipfel gibt es ein sehr speziell dekoriertes Gipfelkreuz. Beim Abstieg ziehen innerhalb weniger Minuten plötzlich Wolken auf. Als wir am frühen Nachmittag wieder zurück am Auto sind, ist der Gipfel in Wolken verhüllt.

18.02.2026
Copina ist ein kleines Klettergebiet in den Bergen rund um Los Gigantes. Der erste Eindruck ist eher ernüchternd aber nach ein paar Klettermetern kommen wir auf den Geschmack. Endlich mal wieder Griffe zum Festhalten, dafür steiler Fels. Nach dem Klettern geht es die echt wilde Piste mit Schlaglöchern und Bodenwellen im Schritttempo zurück. Als Krönung zu diesem schönen Ausflug entdecken wir im Nirgendwo ein sehr nettes Restaurant mit leckeren Tortellini. Bei der Rückfahrt nach Tanti läuft uns wortwörtlich ein Schopfcaracara über den Weg.
19.02.2026
Etwa 100km nördlich von Cordoba liegt unser nächster Kletterstopp, das Klettergebiet Capilla. Das man zum Einstieg durch den Bach waten muss sind wir ja schon gewohnt, aber dass der Pfad mit mannshohem Gras überwuchert ist, ist mal was Neues. Die Schildkröte im Bach war Gott sei Dank keine Schnappschildkröte und ist vor uns geflüchtet. Die Echse hat uns aus nächster Nähe argwöhnisch beäugt aber auch nicht weiter belästigt. Die meisten Routen waren uns zu schwer. Senkrechte Platten ohne Griffe ist halt nicht unseres. Aber landschaftlich ist das Gebiet schon sehr beeindruckend.
20.02.2026
Heute ist Reisetag, Anfangs geht es 400km nur geradeaus und immer leicht bergauf. Gut dass wir nicht mit dem Fahrrad unterwegs sind, das wäre eher langweilig. Als Highlight sehen unterwegs unseren ersten Salzsee. Nach den besagten 400km geht es dann ins Gebirge. Kurz vor Tafi del Valle windet sich die Straße in unzähligen Kehren durch dichten Dschungel auf über 2000m hoch. Am späten Nachmittag erreichen wir die Hochfläche von Tafi del Valle
21.02.2026
Gestern Abend war die Wettervorhersage nicht besonders einladend, der feine Nieselregen am Abend unterstricht die Prognose. Als wir heute jedoch aufstehen schaut es doch viel besser aus als erwartet. Nach einem schnellen Frühstück fahren wir zum Pass Abra del Infiernillo auf über 3000m hoch. Von dort wollen wir eine kleine Akklimatisationswanderung Richtung Verro Alto de Los Cardons (4835m) unternehmen. Dichter Nebel erschwert anfangs die Weg Findung, aber ein Einheimischer erklärt uns wo es langgeht. Außerdem bekommen wir einen lokalen vierbeinigen Führer mit. Der führt uns zielstrebig auf den 1. Gipfel auf etwa 3700m. Seinen Ausbrüche nach rechts und links vom Weg zum Aufscheuchen von Vögel folgen wir wir mal lieber nicht. Die Höhe macht ziemlich zu schaffen. Nach 6 Monaten auf Meereshöhe sind 3700m für den Einstieg etwas hoch. Am ausgewählten Gipfel ist sogar unser Führer fertig und pennt ein. Nach 15 Minuten entdecken wir in der Ferne eine Herde Lamas. Da müssen wir natürlich noch hin. Unser Guide ist auch wiederhergestellt und nachdem ich meine Fotos geschossen habe jagt er die Herde weiter den Berg hinauf. Ach ja das Wetter ist inzwischen super, Wolkenstimmungen zaubern eine sehr spezielle Stimmung. Zufrieden mit dieser tollen Wanderung geht es zurück zum Pass und zum Auto. Unser nächstes Ziel ist Cafayate, wo wir in einem klasse Hotel übernachten.
22.02.2026
Unsere Fahrt führt uns heute durch die Quebrada de las Conchas, Der Namen bedeutet etwa soviel wie Schlucht der Muscheln. Das Gebiet war vor Millionen Jahren vom Meer bedeckt und dadurch gab es hier viele Muscheln. Durch die Hebung der Anden liegt das Gebiet jetzt auf dem Trockenen. Nach der Hebung und durch die einsetzende Bodenerosion haben sich entlang des Tales des Rio de Las Conchas bizarre Felsformationen gebildet.
Die Straße windet sich durch sehr wildes Tal des Rio de Las Conchas. Entlang der Straße gibt es viele Stopps, an denen man die verschiedenen Felsformationen zu bestaunen. Da es gestern im Gebirge sehr viel geregnet hat, sind die Zuläufe zum Rio de Las Conchas zum Überlaufen voll. Ab und zu müssen wir sogar auf der Hauptstraße durch kleinere Seitenbäche fahren. Für die etwa 100 km brauchen wir heute einen halben Tag, es gibt einfach zu viele tolle Fotopunkte entlang der Strecke.
23.02.2026
Am nächsten Morgen fahren wir weiter nach Salta. Nach den erneut starken Regenfällen in der Nacht müssen wir eine Straßensperrung wegen Überschwemmung umfahren und haben unzählige Flussdurchquerungen auf der Hauptstraße. Ich schätze dass wir insgesamt etwa 1km durch überschwemmte Straßen fahren. Eigentlich dachte ich dass es hier immer trocken ist, dies trifft aber, wie wir erfahren, nur auf den Winter zutrifft. Jetzt im Sommer ist Regenzeit. Spannend ist die Fahrt allemal und rechtzeitig zur gebuchten Stadttour in Salta scheint wieder die Sonne. Da wir heute noch etwas weiter nach Norden wollen nehmen wir die schönere Route durch die Berge über den 1380m hohen Pass Abra Santa Laura bis nach San Salvador. Die Straße ist asphaltiert, meist einspurig und landschaftlich sehr schön. Wir werden uns für Salta länger Zeit nehmen auf unserem Weg nach Süden.
24.02.2026
Unser erstes Ziel heute ist Purmamarca. Schon am Ortseingang mit den vielen Verkaufsständen und den unzähligen Reisebussen wird uns klar, dass Purmamarca wohl eines der meist besuchten Touristenort im Norden Argentiniens ist.
Hinter dem Ort liegen die Berge der sieben Farben, wegen denen der Ort seine Berühmtheit erlangt hat. Um den Bergen hinter Purmamarca etwas näher zu kommen, gehen wir auf einem Geheimweg um das Dorf herum und kommen zu weiteren mehrfarbigen Bergen. Dass uns jemand mit Trillerpfeife nachpfeift ignorieren wir. Kurz vorher hat uns schon ein Polizist mit einer Trillerpfeifer von einer Wanderung gegenüber des Ortes zurückgeholt. Der Weg den wir jetzt gehen, ist aber breit und eindeutig begangen, so dass wir das Trillern ignorieren. Später wissen wir auch warum wir angetrillert wurden - wir haben das obligatorische Tickethäuschen unbewusst umgangen.
Auf dem bunten Markt in Purmamarca wird heute doch tatsächlich mal eingekauft: ein Lama für Felix, je eine Decke für Lui und uns und 2 Schals für Christine. Es ist schon schwierig bei dem reichlichen Angebot an wolliger Ware in Purmamarca nicht schwach zu werden.
25.02.2026
Heute wird es nochmal bunt. Da die bunten Felsen von Sierras de Hornocal aber am Nachmittag in der Sonne liegen fahren wir erst mal nach Norden zu den Inka Höhlen. In den Höhlen gibt es prähistorischen Zeichnungen. Wir fahren dazu von Humahuaca auf der RN 9 etwa 40km nach Norden, wo wir unser Auto an einem Parkplatz an der Straße parken. Die Wanderung führt erst vom Parkplatz hinunter zum Rio Grande de Juray und folgt dann etwa eine Stunde einem Pfad im gegenüber liegenden Tal bis zu den Höhlen. Die Wanderung ist nicht zu unterschätzen, da die Höhlen auf einer Höhe von 3700m liegen und man ohne Akklimatisierung die Höhe merkt.
Leider wurde einige Zeichnungen von einigen Vandalen in den letzten Jahren mit Graffiti überschmiert, so dass die Höhlen jetzt eingezäunt sind und ein Wächter über das Gelände wacht. Für den Eintrittspreis bekommt bekommt man eine Führung und der Wächter geizt auch nicht mit Tipps für einen weitere Wanderung zu einem Aussichtspunkt hinten im Tal. Nach etwa 3 h sind wir zurück am Auto und fahren zurück nach Humahuaca.
Nach einem kurzen Mittagessen in Humahuaca brechen wir auf zu unserem zweiten Ausflug. Diesmal geht es von Humahuaca auf einer ruppigen Piste auf 4300m hoch zum beliebten Aussichtspunkt Sierras de Hornocal. Von dort sieht man die Eingangs erwähnten bunten Berge. Schon beeindruckend was die Natur so hervorgebracht hat. Die zwei Vicunas, die ich ein wenig ab vom Weg entdecke und fotografiere runden das heutige Bild noch ab.
Am nächsten Tag fahren wir bis Abra Pampa um nochmals vor unserer Fahrt nach Süden quer durch das Gebirge das Auto voll zu tanken. Abra Pampa liegt an der RN9 etwa 70km südlich der Grenze von Bolivien. Abra Pampa ist der nördlichste Punkt unserer Rundreise.
Hier geht es zum zweiten Teil des Tagebuchs unserer Rundreise.