Loser 1837m, Südwand

VI, Totes Gebirge

Erstbegeher: S, Adametz und Gef. Direktausstieg Th. Schilcher und K. Raudaschel

wir am 18.10.2019

Mitte Oktober ist ja oft die beste Zeit, um im Gebirge stressfrei zu klettern. Ein großes Hochdruckgebiet, Inversionslage, keine Gewitter, Sonne pur und wenig Wind erfreuen um diese Zeit oft den Alpinisten. Eigentlich sind wir auf dem Weg zu einem wichtigen Kletterereignis ins Biokovo. Auf dem Weg dorthin fuhren wir durch die Steiermark gemütlich an Altaussee vorbei. Aber Halt, was steht den da für eine schöne Wand? Blick auf die Karte, Internet auf dem Handy in Betrieb genommen und die einschlägigen Foren durchsucht – Loser heißt der Berg mit der prallen Südwand – und eine klassische Klettertour gibt es auch durch diese Wand. Ein kurzer Zustieg von 30min, 8 Seillängen klettern, mit Bohrhaken abgesichert und bequemer Abstieg – genau das richtige für einen anregenden Zwischenstopp.

 

 

Von Altaussee fahren wir die Mautstraße am Skigebiet hoch. Parken kann man hier entweder auf einem riesigen Parkplatz an der letzten Kurve vor der Loser Hütte unter der Wand oder einfach neben der Straße an der Abzweigung zum Zustieg. Einfachseil, 14 Expressen, ein paar Keile zur Sicherheit in meinen Rucksack - Brotzeit, zwei Liter Wasser und ein paar Müsliriegel in den Rucksack von Christine, und schon geht es los. Ein schmaler Pfad führt links von einigen Lawinenverbauungen und durch ein Latschengebiet relativ steil in einer halben Stunde zum Einstieg. Etwa 100m links vom Einstieg scheint es einen Klettersteig zu geben, da sich mehrere Wanderer zu unserem Einstieg verirren und uns nach dem Einstieg zum Klettersteig fragen.

 

 

Zuerst rätseln wir noch, wo unsere Tour genau hochgeht – denn hier starten in engem Abstand drei Touren. Wir nehmen den mittleren Einstieg links neben den kleinen Höhlen. In einem Mix aus sehr gutem Felsen und Gras geht es linkshaltend zwei Seillängen hoch bis zu einem markanten Kamin. Im Kamin spreizen wir hoch und sind am Beginn der Loserplatte. Die Platte entpuppt sich als gutmütige, aber allerdings exponierte Wandkletterei in bestem Fels. Am schwersten zu klettern finde ich nach dem Verlassen der Platte die letzten 5m zum Stand, an denen ich mich an teilweise losen Grasbüscheln in senkrechtem Gelände hochkämpfe.

 

 

Als Weiterweg wurde erst vor einigen Jahren ein direkter Ausstieg geschaffen. Der Originalweg nach rechts soll sich nicht lohnen. Ein Quergang auf einem Band nach links führt uns zum Fuß einer 30m hohen Bilderbuchverschneidung. Anfangs klettert man entlang einer sehr griffige Piazschuppe.  Zum Schluss hin steilt sich die Verschneidung dann stark auf und wird überhängend. Etwas ausgepumpt erreiche ich den Stand in einer Guffel. Nach unserer Tourenbeschreibung soll die Verschneidung frei 6 oder 4+ obl. sein – naja, die 4+ kann man zumindest diskutieren. Weiter geht es vom Stand links über eine kurze diffizile Platte und dann über etwas brüchige Schrofen zum Gipfelplateau. Die Aussicht ist gigantisch: der Dachstein ist mit seiner verschneiten Nordseite zum Greifen nah. Es ist windstill. Einige Dohlen fangen kreischend an über uns zu kreisen, als wir unsere Brotzeit auspacken und genüsslich zum gemütlichen Teil des Tages übergehen.